Das Leben hinter der Mauer

Forensik Herne im Infofilm

Einen Tag lang hat ein Drehteam im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL)  die Therapiefachleute und ihre Patienten in der Herner Forensik begleitet. Herausgekommen ist ein Info-Film, der einen realistischen Einblick in das Leben und die Arbeit hinter der Mauer vermittelt.

Die LWL-Maßregelvollzugsklinik Herne ist keine gewöhnliche Klinik: hohe Mauern, Stahltor-Schleuse, Kameras überall - enorme Sicherheitsvorkehrungen. Fast jeder, der hier behandelt wird, hat eine schwere Straftat begangen. Dafür konnte das Gericht aber keinen der hier untergebrachten 90 Patienten voll schuldig sprechen, denn bei allen war eine psychische Erkrankung Ursache für die Tat.

Viele Patienten leiden unter Psychosen, hören Stimmen, fühlen sich verfolgt, befürchten vergiftet zu werden. Unter diesen Wahnvorstellungen kann es zu Straftaten kommen. Ein anderes Krankheitsbild sind Persönlichkeitsstörungen: "Hier liegen die Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich. Wir haben Patienten, die nicht mit ihren Mitmenschen klarkommen, zum Beispiel nicht die nötige Empathie erlernt haben", erzählt Axel Schröder-Bergstermann, der als Pflegedirektor in der LWL-Maßregelvollzugsklinik Herne arbeitet.

Berufsgruppen arbeiten Hand in Hand

Behandlungsziel ist, dass die Patienten nach ihrer Entlassung ein eigenverantwortliches Leben führen und keine Gefahr mehr für ihre Mitmenschen darstellen. Dafür arbeiten verschiedene Berufsgruppen wie Ärzte, Therapeuten, Pflegekräfte und Sozialarbeiter Hand in Hand. Der Blick aus unterschiedlichen Perspektiven ergibt eine fundierte Beurteilung. "Wir müssen mit unseren Patienten im Therapieplan erarbeiten, wie viel Hilfe sie brauchen, um draußen straffrei leben zu können. Eine einmal getroffene Entscheidung steht dabei nicht unabdingbar fest, sondern muss bei Veränderung der Prognose revidiert werden", so Ute Franz, die Ärztliche Direktorin der Herner Klinik

Unbefristet untergebracht

Im Unterschied zur Gefängnishaft ist die Unterbringung in einer Forensik für psychisch kranke Menschen grundsätzlich unbefristet, gilt für manche Patienten lebenslang. Erst nach gründlich geprüften Behandlungsfortschritten wird dem Einzelnen Ausgang in Begleitung bewilligt. Bis zu einer möglichen Entlassung ist es aber auch dann noch ein langer Weg. Er dauert im Durchschnitt acht Jahre - auch in Herne.