Der Therapieverlauf

Jeder der Patienten hat eine eigene Krankheitsentwicklung in seinem individuellen Lebensumfeld erfahren. Seine Dispositionen, Prägungen und Verletzungen sind Teil seiner Lebensgeschichte. Der ganzheitliche Ansatz in unserer Therapie berücksichtigt dies.

Daher beginnt der Eintritt des Patienten in die Therapie durch eine ca. 6-12-wöchige Aufnahme- und Motivationsphase mit einer umfassenden psychiatrisch-pädagogischen Diagnostik, um anschließend in die für die spezifischen Probleme des Patienten passende Therapieeinheit der Klinik über zu leiten.

Gruppentherapie auf einer Station

Die Therapiephase nimmt im Mittel einen Zeitraum von 12 - 15 Montane ein. Hier wird der Patient intensiv und umfassend auf sein "neues" suchtmittelfreies Leben vorbereitet. Die Fähigkeiten dazu erwirbt er in der psychotherapeutischen Behandlung, dem Alltagstraining im Rahmen der Sozio- und Millieutherapie durch die Bezugspflege und durch eine ressourcenorientierte Erweiterung seiner individuellen Fähigkeiten und Interessen. Dies kann den Erwerb eines Schulabschlusses, Deutschunterricht oder Förderung von Teilleistungsschwächen in der klinikeigenen Schule beinhalten. In der hauseigenen Arbeitstherapie besteht die Möglichkeit praktische Fertigkeiten in der Holzverarbeitung, der Industriefertigung, im Maler- und Lackiererhandwerk oder der Blumenzucht und Gartenpflege zu erwerben und den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt zu trainieren.

Die durchgeführten Maßnahmen berücksichtigen dabei immer die krankheitsbedingten Einschränkungen. Sie nehmen Rücksicht auf das Rehabilitationsziel, d.h. wo der Patient seinen Lebensmittelpunkt finden wird, in der Familie, allein oder in einer betreuten Einrichtung. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung von Freizeitinteressen, um die Zeit, die der Patient bisher mit der Beschaffung und dem Konsum von psychotropen Substanzen zugebracht hat, alternativ zu leben und offen für Neues zu werden. Es werden, differenziert nach halboffenem und geschlossenem Bereich, Freizeitgruppen für viele Interessengebiete angeboten: Badminton, Fußball, Volleyball, Tischtennis, Laufen, Gerätetraining, Billiard, Kickern, Softdart, Malen, Fischzucht, Angeln, Aquarien-, Computer-, KFZ-, Kegel-, Schach-, Musik-, Theatergruppe, redaktionelles Arbeiten mit Texten. Die hauseigene Bücherei hält aktuelle Zeitungen, Zeitschriften, Literatur, Musik-CDs und Hörbücher vor.

Beendet wird der Aufenthalt in der Klinik durch die Adaptions- und Entlassphase, die sich über einen Zeitraum von 6-9 Monaten erstreckt.

Auf dem Bild ist die Rückseite des Schlossgebäudes im Frühling zu sehen. Im Vordergrund steht ein blühender Busch. Die Rückseite des Schlossgebäudes

Immer größere Freiräume (Lockerungen), die sich der Patient im Laufe seiner Therapie erarbeitet, führen zu einem Übergang aus einer geschlossenen Einheit in einen halboffen geführten Wohn- und Therapiebereich. Verschiedene Formen der Lockerungen beginnen mit begleiteten Ausgängen und führen über unbegleitete Freizeitstunden je nach Therapieentwicklung bis zu zeitlich befristetem Urlaub außerhalb der Klinik.

Diese Pahse ist geprägt durch intensive Reintegrationsschritte in das gesellschaftliche Leben. Begleitet durch seinen ärztlich/psychologischen Therapeuten, seinen Bezugspfleger und einen Sozialarbeiter geht der Patient den Weg in das praktische Leben. Externe Praktika bzw. Beschäftigungen werden vermittelt, das zukünftige Wohn- und Lebensumfeld werden gesucht und mit den finanziellen Rahmenbedingungen in Einklang gebracht. Die Loslösung aus der Klinik in ein wieder völlig selbstständiges Leben oder in eine alternative Wohnform erfolgt behutsam und in kleinen Schritten. Am Ende der Therapie verbleibt der Kontakt des Patienten zum Sozialarbeiter der Nachsorgeeinrichtung, um regelmäßige Rückmeldung über seine Stabilität zu geben.

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