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Der erste Provinzialkonservator Westfalens Albert Ludorff. Foto: LWL/Bildarchiv DLBW.

Die Anfänge der Denkmalpflege in Westfalen

Denkmalpflege ist keineswegs eine Erfindung des 19./20. Jahrhunderts. Bereits in der Frühzeit der Kulturgeschichte der Menschheit haben Menschen nachweislich Denkmalpflege in dem Sinne betrieben, dass sie bedeutenden Geschichtszeugnisssen erhalten und geschützt haben.

Schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in einer Zeit der beginnenden politischen und gesellschaftlichen Umbrüche in Europa (Zeit der Aufklärung, Ende des Absolutismus, beginnende Industrialisierung, Französische Revolution 1789, Trennung von Kirche und Staat, Säkularisation der Kirchen und Klöster 1803) entwickelte sich ein großes Interesse an Geschichte und Altertümern, Künstler und Wissenschaftler beschäftigten sich damit. Zunächst standen die Bauwerke des Mittelalters im Zentrum, sie sollten erhalten und auch weiter gestaltet werden. Im 19. Jahrhundert entfaltete sich die Fürsorge für die „vaterländischen Altertümer“ weiter, gepaart mit einem neuen Nationalbewusstsein.

Mit viel Aufwand wurden Kirchen, Burgen, Rathäuser, Stadtbefestigungen vor dem weiteren Verfall bewahrt, vielfach rekonstruierend und historisierend aufgebaut und sogar weitergebaut. Die Bemühungen, den Denkmalschutz und die Denkmalpflege zu institutionalisieren, führten im Laufe des 19. Jahrhunderts im Königreich Preußen schrittweise zu Ergebnissen. Ende des 19. Jahrhunderts bekamen die preußischen Provinzen des Deutschen Kaiserreichs diese Aufgabe zugewiesen, und Albert Ludorff wurde 1892 der erste Provinzialkonservator Westfalens.

Zunächst stand die Denkmalerfassung im Mittelpunkt: Ludorff trieb sie mit seinen Inventarbänden ungewöhnlich schnell  voran, 37 Bände erschienen bis 1915. Ludorffs starke Ausrichtung auf die fotografische Erfassung hat einen bis heute herausragenden Bestand historischer Aufnahmen im Bildarchiv der LWL-Denkmalpflege geschaffen. Seine Erfassung der Denkmäler trug zur Entwicklung bildgebender Methoden bei, die beispielsweise in der Patentierung der Herstellung von Handzeichnungen, von Victor Batteux Ende des 19. Jh. entwickelt, ihren Niederschlag fand.