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Das Rathaus der Stadt Marl, errichtet in den Jahren 1960 bis 1967, steht seit 2016 unter Denkmalschutz. Foto: LWL/Brockmann-Peschel.

Aktuelle Herausforderungen für die Denkmalpflege

Die Herausforderungen, denen sich die Denkmalpflege stellen muss, unterliegen dem gleichen Wandel wie auch die sich ständig erweiternde Denkmallandschaft. So rücken heute zu dem vielfätigen Bestand der vergangenen Jahrhunderte auch Bauten der 1960er- bis 1980er Jahre als bauliches Erbe einer abgeschlossenen Epoche in das denkmalfachliche Blickfeld. Neue Stadtzentren, Wohnsiedlungen, Verwaltungsgebäude, Industrieanlagen, Kultur- und Bildungsbauten, Technik- und Verkehrsbauten aus dieser Zeit gelten als Zeugnisse einer Zeit eines gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Auf- und Umbruchs.

Seit einigen Jahren zeigt sich außerdem, dass zahlreiche Kirchengebäude nicht mehr in ihrer kirchlichen Funktion bleiben werden und im ungünstigsten Fall über einen Abriss diskutiert wird. Insbesondere im Ruhrgebiet ist dieser Prozess spürbar im Gange. Hier gilt es, die Baudenkmäler zu schützen und gemeinsam mit allen Beteiligten für die denkmalwerten Bauten angemessene Lösungen des Erhalts zu finden, manchmal auch vorrübergehend ohne weitere Nutzung oder mit geeigneten neuen Nutzungen. Das ist eine aktuelle Aufgabenstellung im Themenfeld der Denkmalpflege. In besonderem Maße trifft dies auf die nach 1945 entstandenen Kirchen zu, für die mitunter noch keine breite gesellschaftliche Akzeptanz besteht, wie sie sich für Bauten älterer Epochen oder anderer Baugattungen auch erst im Laufe der Geschichte herausgebildet hat.

Seit vielen Jahren sind die Anforderungen nach einer energetischen Verbesserung der Gebäudehülle, nach Energieeinsparungen im Baudenkmal ein zentrales Thema im Rahmen von denkmalrechtlichen Erlaubnisverfahren. Die Suche nach dem geeigneten Konzept für die energetische Verbesserung des Gebäudes kann nur individuell auf das jeweilige Objekt abgestimmt erfolgversprechend laufen. Ebenso sind Forderungen nach zusätzlichen Brandschutzmaßnahmen im Zusammenhang mit neuen Nutzungskonzepten für ein Baudenkmal oder die Suche nach Lösungen zur barrierefreien Erschließung eines Objektes in den letzten Jahren vermehrt Thema im Rahmen der denkmalrechtlichen Abstimmung. Auch hier gibt es inzwischen zahlreiche Beispiele für gelungene individuelle Lösungen, die gemeinsam von allen Beteiligten entwickelt wurden.

Dabei gilt es stets, so wenig wie möglich in die historische Substanz einzugreifen – unabhängig davon, ob das Denkmal aus dem Mittelalter oder den 1970er-Jahren stammt.

Nachhaltigkeit im Umgang mit dem Bestand ist in der Denkmalpflege kein neues Thema; Erhalt und Reparatur, Weiternutzung und Umnutzung, Verwendung traditioneller Baustoffe mit langer Haltbarkeit sind schon vom Ansatz her ressourcenschonend.

Auch die von Menschen verursachten Umweltprobleme wie Immisionen und Schadstoffbelastungen wirken sich auf den Denkmabestand aus und verstärken unter Umständen den Zerfall der Bausubstanz. Dafür müssen geeignete Methoden zur Behebung der Folgen, gegebenenfalls auch neue Materialien und Techniken für langfristig greifende konservatorisch-restauratorische Maßnahmen gefunden werden. Im Rahmen der denkmalfachlichen Beratung analysieren die LWL-Denkmalpfleger auch diese Probleme in jedem Einzelfall und erarbeiten für die Behebung der Schäden angemessene Lösungen. Die amtlichen Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger unterstützen mit ihren Beratungen den Erhalt des geschützten Bestandes; erfahrungsgemäß kann das im Dialog mit allen Beteiligten gut gelingen.

Für den Erhalt des baukulturellen Erbes sind erhebliche finanzielle Anstrengungen erforderlich; diese werden seit jeher größtenteils von den Denkmaleigentümern selbst getragen. Wichtig ist die Bereitstellung von ausreichenden öffentlichen Fördermitteln, um  diesen Erhaltungsaufwand mildern zu können. Insbesondere für die vielfach ehrenamtlich aufgestellten Vereine und Initiativen, die sich mit dem Erhalt und der Pflege von nicht rentierlich nutzbaren Objekten befassen, sind die in den vergangenen Jahren vorgenommenen Kürzungen der Fördermittel ausgesprochen heikel. Für 2018 ist jedoch eine Erhöhung der Denkmalförderung in NRW angekündigt.

Immer wieder wird deutlich, wie entscheidend die frühzeitige Mitwirkung aller Beteiligten im Prozess zum Schutz und der Erhaltung eines Denkmals ist. Nur in Kooperation mit Denkmaleigentümern, Vereinen, Initiativen, Architekten, Planern und in dem einen oder anderen Fall auch den Beteiligten aus der Politik kann Denkmalpflege als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gelingen und das kulturelle Erbe für zukünftige Generationen erhalten werden.