Das Foto zeigt eine alte Postkarte und Kinder beim Eierbemalen

Bräuche rund um Ostern

Liebesbeweise, erfundene Frühlingsgöttinnen und evangelische Osterhasen

Noch heute wird manchmal behauptet, dass der Ursprung des Osterfestes ein altgermanisches Frühlingsfest ist. Diese Behauptung ist falsch, es hat nie einen germanischen Vorläufer des Osterfestes gegeben. Den Termin des Osterfestes legte das Konzil von Nicäa im Jahr 325 auf den ersten Sonntag nach Frühlingsvollmond fest. Deshalb schwankt der Ostertermin zwischen dem 22. März und dem 25. April. Diesen Termin übernahmen auch die Länder nördlich der Alpen als sie im 5. und 6. Jahrhundert christianisiert wurden. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass das christliche Osterfest ein heidnisches Frühlingsfest ablöste. Der Benediktinermönch Beda Venerabilis erfand im 8. Jahrhundert die Frühlingsgöttin Eostra oder Ostara als Namensgeberin für das Osterfest. Er hoffte, dass die englische Bevölkerung dadurch den christlichen Glauben leichter übernehmen würde. Das Wort Ostern leitet sich jedoch nicht von dem Namen irgendeiner heidnischen Frühlingsgöttin ab, sondern von dem althochdeutschen "ostarun". Dieses Wort bezeichnet das liturgische Geschehen am Morgen des Auferstehungstages. Ostern heißt also genaugenommen "Auferstehungsliturgie am Morgen".

Der Fuchs als Osterhase
Der Brauch ein Ei zu verschenken stammt aus dem kirchlichen und obrigkeitlichen Bereich. Zunächst waren, es österliche Zinseier, die ab dem 9. Jahrhundert als Abgaben- und Spendenpflichten an ein Kloster, eine Kirche oder ein Spital abgeführt werden mussten. Im Laufe der Zeit wurden aus den Zinseiern Schenkeier, die Kirchendienern und Spitalpersonal zu Ostern geschenkt wurden. Im 19. Jahrhundert wurden die Ostereier nur im südlichen Westfalen gefärbt. Kinder erhielten meist drei bis sechs Eier als Geschenk von ihren Paten.

Im Wittgensteinischen wurden die Eier sogar mit Sprüchen versehen. Besonders kostbar bemalte Eier galten als Liebesbeweis. Die jungen Mädchen verschenkten sie an einen von ihnen ausgewählten Jungen. Bevor sich Industriefarben durchsetzten, wurden die Eier mit Naturstoffen wie Rote Beete, Zwiebelschalen, Spinat oder Moos gefärbt. Teilweise wurden die Eier in der Kirche geweiht. Diesen Eiern schrieb man einen übernatürlichen Nutzen zu. Ihre Schalen wurden gemeinsam mit der Asche des Osterfeuers auf die Äcker gestreut, um sie ertragreicher zu machen. Der Osterhase taucht als Eierbringer erst im 17. und 18. Jahrhundert auf. In Westfalen galten der Fuchs oder der Kranich noch bis in die 1930er Jahre hinein als Eierbringer. In der Schweiz war es der Kuckuck, in Thüringen, Bayern und Österreich der Hahn. Der Osterhase ist vermutlich eine evangelische Erfindung, mit der die Protestanten den katholischen Osterbräuchen etwas entgegen zu setzen versuchten. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verbreitete sich der Osterhase als Osterbote von den Städten auf das Land. In Westfalen begann er sich ab 1900 durchzusetzen und ist seit den 1930er Jahren allgemein bekannt.

Aus: Hubert Kersting, Westfälische Sitten und Bräuche im Jahreslauf, hg. vom Heimatverein der Gemeinde Nordkirchen e.V., Nordkirchen 2004.