Der LWL-Aktionsplan Inklusion

  • Der LWL setzt sich schon seit Jahrzehnten für ein möglichst selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderungen ein – und damit lange vor dem Inkrafttreten der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, die die Inklusion als gesellschaftliches Ziel stärker ins öffentliche Interesse gerückt hat.

    Der erste LWL-Aktionsplan Inklusion zeigt, welche Position wir in unseren vielen Einrichtungen einnehmen und wie sich unsere Arbeit in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird.

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UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen

Um Menschen mit Behinderungen eine unabhängige Lebensführung und die volle Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen, treffen die Vertragsstaaten geeignete Maßnahmen mit dem Ziel, für Menschen mit Behinderungen den gleichberechtigten Zugang zur physischen Umwelt, zu Transportmitteln, Information und Kommunikation, einschließlich Informations- und Kommunikationstechnologien und -systemen, sowie zu anderen Einrichtungen und Diensten, die der Öffentlichkeit in städtischen und ländlichen Gebieten offenstehen oder für sie bereitgestellt werden, zu gewährleisten.“

Der kleine Ausschnitt aus dem Artikel 9 der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen stellt den Landschaftsverband Westfalen-Lippe vor große Herausforderungen. Der LWL nimmt diese an: Er analysiert und beseitigt Barrieren, die sich für Menschen mit Behinderungen beim gleichberechtigten Zugang zu Information und Kommunikation sowie zu Gebäuden ergeben. Dazu gehört auch, wirksame Kampagnen zu entwickeln und die Medien zu sensibilisieren, um ein Bewusstsein für Inklusion in der Öffentlichkeit zu bilden – ein länger andauernder Prozess.


Der Beitrag der LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zur Inklusion

Menschen, die im Alltag wenig mit Inklusion zu tun haben, kennen den Begriff und dessen Bedeutung oft nicht. Hier ist Sensibilisierungsarbeit zu leisten. Die Maßnahmen der LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Einzelnen:
 

Veröffentlichungen
Der LWL geht davon aus, dass Menschen mit Sehbehinderung oder blinde Menschen ihre Hilfsmittel nutzen, um Print- oder digitale Medien zu lesen. Darüber hinaus hat der LWL begonnen, die Lesbarkeit von Publikationen zu erhöhen. Dazu wurden Kriterien zur barrierefreien Gestaltung von Medien in das Corporate Design (CD) eingepflegt. Dazu gehören auch die Hausschriften, die der LWL festlegte: für alle Printmedien die Schriften Frutiger und Stone Serif und für Internet, Intranet und E-Mail die Systemschriften Arial, Georgia und Verdana. Die Schriften sind gut lesbar, weil sie offene Buchstaben und einen ausreichenden Buchstabenabstand aufweisen. Die Schriften zählen zudem zu den klassischen Schriften, die Agenturen in der Regel nutzen. Die aufgeführten Systemschriften sind die gängigsten und auf jedem PC verfügbar.
 



Veröffentlichungen und „Leichte Sprache“
Grundsätzlich hat der LWL das Ziel, dass alle Informationen verständlich und klar vermittelt werden. Zentrale Veröffentlichungen erstellen journalistische Fachleute. Darüber hinaus sollen spezielle Inhalte, die sich an Menschen mit besonderen Behinderungen richten, zielgruppengemäß aufbereitet werden. Damit mehr Menschen mit geistiger Behinderung die Veröffentlichungen des LWL verstehen, sollen langfristig ausgewählte Inhalte in Leichte Sprache übersetzt werden. Erste Publikationen wie „Das Persönliche Budget“ oder der „LWL-Inklusionsbericht 2012“ liegen vor.

Der LWL hat seit 2013 einen Rahmenvertragspartner für Übersetzungen ausgewählter Publikationen und Webinhalte in Leichte Sprache. Der Markt für diese Übersetzungen entwickelt sich allerdings erst. Die im „Netzwerk Leichte Sprache“ zusammengeschlossenen Firmen sind bisher eher noch Einzelkämpferinnen und -kämpfer, die strukturell nur bedingt in der Lage sind, größere Aufträge und mehrere Aufträge parallel zu bearbeiten. Erste Erfahrungen zeigten auch, dass die Übersetzerinnen und Übersetzer aus Werkstätten für Menschen mit Behinderungen schnell von den geforderten Arbeiten überlastet sein können.

Es fehlen allgemeingültige und institutionsspezifische Fotos, Symbole und Illustrationen, die fester Bestandteil solcher Übersetzungen sind. Um die Illustrationen entfachte sich zum Beispiel ein juristischer Streit. Einen solchen Fundus aufzubauen, kostet Aufwand. Umgekehrt ist auch beim LWL ein Konzept nötig, aus dem hervorgeht, für welche Zielgruppen Infos in Leichter Sprache bereitgestellt und für wen Inhalte in Gebärdensprachvideos vermittelt werden sollen. Bis 2015 werden Empfehlungen erarbeitet.
 



Internet
Für die barrierefreie Gestaltung des Internets sind

  • die barrierefreie Informationstechnikverordnung NRW (BITV-NRW) und
  • das Behindertengleichstellungsgesetz NRW (BGG NRW)
     

maßgeblich. Da sich der Internetauftritt des LWL gerade auch an Menschen mit Behinderungen wendet, hat die Barrierefreiheit des Auftritts bereits seit Jahren hohe Priorität. Internetauftritte, die mit dem LWL-eigenen Redaktionssystem realisiert werden (rund 85 % der Internetauftritte unter www.lwl.org), generieren sich automatisch barrierefrei.
Internetauftritte, die von Fremdfirmen erstellt werden (rund 15%), sind ebenfalls weitgehend zugänglich, da auch externe Firmen gesetzlich verpflichtet sind, die Barrierefreiheit zu gewährleisten.
Empfohlen wird den LWL-Einrichtungen bei der Zusammenarbeit mit Fremdfirmen, die Umsetzung der Barrierefreiheit vertraglich zu regeln.

Um mögliche Schwachstellen in der Barrierefreiheit des LWL-Internetangebots zu identifizieren, hat die LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Jahr 2014 einen überprüfenden BITV-Test in Auftrag gegeben. Aus den Testergebnissen werden entsprechende Maßnahmen zur Optimierung der Barrierefreiheit abgeleitet. Bis 2015 erarbeitet die LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit darüber hinaus verbandsweite Standards für die inhaltliche Barrierefreiheit des gesamten LWL-Internetauftritts.

Beim Internet-Refresh 2014 plant der LWL, ausgewählte Webinhalte mit Gebärdensprachvideos zu erläutern und in Leichte Sprache zu übersetzen.
Außerdem soll ein Schulungskonzept für die über 600 Internetbeauftragten des LWL erarbeitet werden, das Themen wie „Barrierefreie Pflege von Webangeboten“, „Barrierefreie Gestaltung von pdf-Dokumenten“ und „Leichte Sprache“ umfasst.

Ein weiterer Beitrag der LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wird ein praxisorientierter Leitfaden für die LWL-Internetbeauftragten sein. Dieser soll das Bewusstsein für die Barrieren bei der Internetnutzung von Menschen mit Behinderungen schärfen und mit praktischen Tipps dazu beitragen, diese Barrieren durch redaktionelle Maßnahmen abzubauen.



Online-Ratgeber "Richtung Inklusion"

Auf der Internetseite richtung-inklusion.lwl.org dokumentiert der LWL seit 2011 seine Schritte Richtung Inklusion. Das Inklusionsportal ist im Herbst 2013 komplett überarbeitet worden und informiert über aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen sowie über Gesetzestexte und Statistiken.
Aufgebaut ist das Portal in Form einer Chronik, die durch Illustrationen beispielhafter Situationen aus den Bereichen „Jugend und Schule“, „Wohnen“, „Arbeit“, „Freizeit“ „Gesundheit“ sowie „Alter“ eingeführt wird. Experten und Interessierte können sich unter jedem Bereich anhand von Beispielen, Interviews und Planungshilfen über Möglichkeiten und Wege bei der Umsetzung von Inklusion informieren. Auch eine Auswahl von Stimmen und Eindrücken unserer Kooperationspartner sowie von Menschen mit Behinderungen und deren Angehörigen ist dort zu finden.

Der LWL möchte über seine Publikationen und andere Medien nicht nur informieren und aufklären, sondern auch andere zum Denken und Handeln anregen. Gemäß dem Leitgedanken „Vielfalt fördern“ gibt der Onlineratgeber sehr unterschiedliche Anstöße zu allen Lebensphasen und -bereichen. Der LWL spricht insbesondere engagierte Fachleute und Interessierte an, die durch eigene Maßnahmen Vielfalt fördern und Teilhabe ermöglichen wollen. Daher finden sich auf „Richtung Inklusion“ neben Experteninterviews und Beispielen auch Anleitungen und Projektideen, die durch die fachübergreifende Zusammenarbeit von Experten beim LWL entstanden sind.
 



Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen
Der LWL bindet insbesondere bei inklusiven Inhalten Menschen mit Behinderungen ein. Über Kooperationspartner wie die Lebenshilfe stimmt er zur Qualitätssicherung Inhalte ab, für das Webportal „Richtung Inklusion“ zum Beispiel mit Menschen mit geistiger Behinderung sowie Verantwortlichen, die mit unterschiedlichen Menschen mit Behinderungen zu tun haben. Wie diese stärker einbezogen werden können, ist zur Zeit in Planung. Denkbar könnte sein, für redaktionelle Aufträge entsprechende freie Beschäftigte mit  geistiger Behinderung einzubinden.
 



Bewegte Bilder
Alle Videos, die der LWL zentral zu seinen Abteilungen und Einrichtungen produziert, werden seit 2011 mit Untertiteln zur Verfügung gestellt.