Links: Sicherheitstür im Bunker, die zum Notausgang führt. Mitte: Der 1,40 Meter hohe Notausgang. Rechts: Spinnweben und Staub bedecken die ungenutzten Waschbecken. Fotos: LWL/Thier.
Ein Bunker unterm Büro
Atomschutz, Tresor und Ausfallrechenzentrum: Ein besonderer Keller aus Zeiten des „Kalten Krieges“
Münster (th). Fensterlose niedrige Räume, verwaiste Sanitäranlagen, Sicherheitstüren und enge, dicht verschlossene Notausgänge: Unter 120 cm dickem Beton macht sich unter einem Gebäude der LWL-Hauptverwaltung in Münster eine bedrückende Atmosphäre breit: Hier befindet sich ein ehemaliger Bunker, der noch bis vor wenigen Jahren 100 Personen 14 Tage lang Schutz vor möglichen Atomsprengkörpern, Kernstrahlung oder chemischen Kampfstoffen bieten sollte. Gebaut wurde er 1962 in Zeiten des „Kalten Krieges“.
Der mögliche Verteidigungsfall blieb aus, der Bunker beim LWL blieb ungenutzt. Dafür rücken aktuell neue Bedrohungsszenarien in den Blickpunkt: Was wäre wenn – wie in Fukushima – auch in Deutschland Atomkraftwerke explodierten? Böte der Bunker weiterhin Schutz?
„Nein, die Schutzfunktion wurde 2007 aufgehoben“, sagt Lutz Diepenbrock, Mitarbeiter der LWL-Haupt- und Personalabteilung, der den Bunker einige Jahre verwaltete. Kernbohrungen durch den Beton hoben die Luftdichtigkeit auf. Veranlasst hat dies das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, das die bestehenden Schutzräume, die seit Mitte der 1950er Jahre in großer Zahl von der Bundesrepublik Deutschland gebaut wurden, nach und nach aus der Zivilschutzbindung entlässt. Die so genannten Schutzraumbauten entsprechen nach dem Ende des „Kalten Krieges“ nicht mehr den aktuellen Bedrohungsszenarien.
