Links: Freuen sich über den reibungslosen Anlauf des neuen „Rechenzentrums zwei“ (RZ2): Holger Bosch (M.), Projektleiter,und Matthias Gundler (r.), Prokurist und technischer Leiter von der Westfälisch-Lippischen Vermögensverwaltungsgesellschaft, die das RZ2 geplant und gebaut hat, sowie Ferdinand Glaremin (l.), Leiter des Referats Betrieb der LWL.IT Service Abteilung. Mitte: Das RZ2 ist in einem ehemaligen Silospeicher innerhalb der Speicherstadt Münster angesiedelt, der ursprünglich 1937 im Rahmen des Neubaus des Heeresverpflegungshauptamtes errichtet wurde. Rechts: Im sauerstoffreduzierten Serverraum dürfen IT-Mitarbeiter, wie hier Malte Schmidt (l.) und Henrik Müller (r.), nur maximal zwei Stunden am Stück arbeiten. Fotos: LWL/Forbrig und Stefan Brüggemann

Vom Silospeicher zum Datenspeicher

LWL.IT bezieht Ausweichrechenzentrum in der Speicherstadt - sauerstoffreduziert und bedienerlos

Münster (ufo). Sie sind wie Zwillinge. Nur zwei sechs Kilometer lange Datenkabel trennen das Rechenzentrum der LWL.IT Service Abteilung an der Warendorfer Straße in Münster und das neue „Rechenzentrum zwei“ (RZ2) in der Speicherstadt Münster im Ortsteil Coerde, das seit Januar 2011 in Betrieb ist. Jedes von Ihnen speichert die gleichen Daten, Netzwerklaufwerke und Datenbanken des LWL. Beide beherbergen rund 200 unternehmenskritische Server des LWL, 100 Terabyte Festplattenspeicher und je einen Kassettenroboter mit 700 Datenkassetten für die automatisierte Datensicherung.

Mit dem RZ2 werden die Risiken eines Totalausfalls der IT auf zwei räumlich getrennte Gebäude verteilt: Falls die Server an der Warendorfer Straße durch Blitzschlag, Feuer, Wasserfluten oder Stromausfall ihre Funktion einstellen würden, sorgt das neue Rechenzentrum dafür, dass die LWL-Beschäftigten ihre Arbeit fortsetzen können und der LWL handlungsfähig bleibt. „Bisher hatten wir die Ersatzserver in einem ehemaligen Bunker unter einem Gebäude an der Karlstraße in Münster in Betrieb“, sagt Wieland Schäfer, Leiter der LWL.IT Service Abteilung: „Dank dem Konjunkturpaket II und der WLV konnten wir ein äußerst sicheres und modernes Ausweichrechenzentrum bauen. Dies ist ein Mosaikstein zur Verbesserung der Informationssicherheit beim LWL – weitere müssen folgen.“


Stahl, Pincode und Bewegungsmelder


Ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept umgibt die Technik in dem ehemaligen Silospeicher in Coerde. Zwei Stahltüren, die sich nur durch den Besitz eines Chips und das Wissen des Pincodes öffnen lassen, eine Alarmanlage und Stahlplatten an den Fenstern schützen den Zugang zum Serverraum - dem Herzstück des RZ2, das ohne eine Person vor Ort von der Warendorfer Straße aus betrieben werden kann. „Würde doch jemand unbemerkt in das Gebäude eindringen oder sich beispielsweise einschließen lassen, löst ein Bewegungsmelder den Alarm aus“, erklärt Ferdinand Glaremin, Leiter des Referats Betrieb der LWL.IT, der den Bau von Anfang an begleitet hat.

Geplant und gebaut hat das RZ2 im Erdgeschoss des Gebäudes „An den Speichern 7“ die Westfälisch-Lippische Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH (WLV), eine hundertprozentige Tochter des LWL. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik stand beratend zur Seite.

Gleich über dem RZ2 befinden sich die Büros der LWL-Archäologie für Westfalen. „Wir freuen uns, dass wir nun auch neben dem ‘Wissen und der Geschichte Westfalens‘ die ‘Daten‘ des LWL speichern dürfen“, sagt Matthias Gundler, Prokurist und Leiter der Bauabteilung der WLV.
 

Keine Chance für Flammen: Das Feuerzeug von Ferdinand Glaremin geht im sauerstoffreduzierten Serverraum sofort aus. Foto: LWL/Forbrig

Sauerstoffgehalt wie auf 2.500 Meter Höhe
 

Zum Sicherheitskonzept gehört ebenso die Brandvermeidung durch Sauerstoffreduktion. „Statt 21 Prozent hat die Luft im Serverraum einen Sauerstoffgehalt von 15 Prozent. Bei dieser Sauerstoffkonzentration entzündet sich keine Flamme. „Für den Menschen, der sich in diese Umgebung begibt, entspricht dies einem Aufenthalt im Gebirge auf 2.500 Meter Höhe“, erklärt Referatsleiter Glaremin. Ein Luftgemisch, das durch zusätzlich eingeleiteten Stickstoff erzeugt wird.
Müssen IT-Mitarbeiter doch mal im RZ2 Hand anlegen, können Sie von der Warendorfer Straße aus den Sauerstoffgehalt vor ihrem Eintreffen erhöhen, dürfen aber nur zu zweit und maximal zwei Stunden im Serverraum verbringen.

Server heizen Büros


Kältetechnik hält die ständig laufenden Geräte auf moderate Temperaturen. Neben zwei großen Notstromdieseln verfügt die Speicherstadt in der Technikzentrale über eine zentrale Kälteanlage. Das angelieferte sechs Grad kalte Kühlwasser wird durch die Abwärme der Server im Rücklauf auf zwölf Grad aufgeheizt. „Die WLV nutzt das erwärmte Wasser zum Heizen von Büros in den Gebäuden der Speicherstadt“, erklärt Ferdinand Glaremin. Das RZ2 hilft somit bei der Reduzierung der Heizkosten - auch bei den vom LWL angemieteten Gebäuden und Archivflächen, die insbesondere im Sommer zur Regulierung der Luftfeuchte Wärme benötigen.
 

Batterien sorgen für die Überbrückung eines Stromausfalls. Zusätzlich gibt es für lang andauernde Unterbrechungen der Stromversorgung einen Notstromgenerator mit einem Treibstoffvorrat für fünf Tage. Foto: LWL/Forbrig

Fünf Kilometer Kabel auf 144 Quadratmeter

Geplant wurde das RZ2 mit Weitsicht: Die 144 Quadratmeter Raumfläche im Serverraum sind bislang nur zur Hälfte gefüllt. Fünf Kilometer Kabel wurden im Rechenzentrum verlegt. Kommen Server für neue IT-Projekte hinzu, können im laufenden Betrieb Stromversorgung und Klimatisierung erweitert werden. „Das RZ2 ist für den Bedarf der kommenden Jahre ausgelegt“, erklärt Wieland Schäfer.