Links: Wolfram Bangen, Restaurator für Möbel im LWL-Freilichtmuseum Detmold säubert und poliert alte Backformen aus Holz. Mitte: Claudia Diekmann betreut als Architektin des Museums die Baustellen auf dem Gelände. Rechts: In ihrer Werkstatt säubert Karin van't Hull, Restauratorin für Metall und kunsthandwerkliche Objekte, eine kleine Wachspuppe. Fotos: LWL/Rösler

Vom Winterschlaf keine Spur

Hinter den Kulissen des LWL-Freilichtmuseums Detmold

Detmold (vr). Der Nebel liegt über den Feldern und die Fachwerkhäuser wirken unbewohnt. Nur die wenigen Vögel singen ihr Lied in der kalten Winterluft. Es scheint, als sei das LWL-Freilichtmuseum Detmold im Winterschlaf versunken – doch das Bild trügt. Hinter den Kulissen wird gearbeitet: Gärten werden umgegraben, marode Fenster ausgetauscht, Ausstellungsstücke restauriert oder neue Gebäude errichtet.

Auch außerhalb der Saison, von Oktober bis März, krempeln die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LWL-Freilichtmuseums Detmold die Ärmel hoch. Auf dem 90 Hektar großen Gelände steht an den 115 Gebäuden eine Vielzahl von Sanierungsarbeiten an.
„Unsere historischen Gebäude sind natürlich nicht nach den heutigen Standards isoliert, daher sind sie sowohl von außen als auch von innen den verschiedensten Witterungsverhältnissen ausgesetzt“, erklärt Claudia Diekmann, Architektin des Museums. Alle Gebäude und deren Inventar werden daher ständig auf Mängel überprüft. So müssen beispielsweise alle Uhren in den historischen Häusern immer wieder justiert und gewartet werden. „Der Ruß, der durch das Heizen der Öfen entsteht und der normale Hausstaub legen sich auf die Kleinteile der feinen Mechanik“, so Diekmann.

Aus neu mach alt

An den bestehenden Gebäuden müssen hier und da marode Fensterrahmen, Fensterscheiben oder Teile von Türen ausgetauscht werden. Um diese Arbeiten kümmern sich Gebäuderestaurator Holger Kelm und seine Kollegen. „Wir versuchen die beschädigten Gegenstände möglichst originalgetreu wieder herzurichten und nur Einzelteile zu erneuern“, so der Fachmann. In der museumseigenen Werkstatt fertigt er unter anderem die Leisten für Fensterrahmen in Handarbeit an. Mit dem Hobel gleitet er über das Holz und bei jeder Bewegung entstehen die typischen Falzformen für die Rahmen. „Je nach Rahmenform stellen wir die Messer für das passende Falzmuster zusammen, die dann in den Hobel eingesetzt werden“, erklärt Kelm.

Neben den Schreinerarbeiten werden in der Werkstatt auch Möbel restauriert. Dazu stellen die Handwerker die einzelnen Elemente mit einer traditionellen Steckverbindung her. „Die Einzelteile können ohne Schrauben und Leim zusammengesetzt werden“, erklärt Gebäuderestaurator Bernd Brückmann.
Falls doch mal ein Nagel benötigt wird, greifen die Beschäftigten auf ihr Ersatzteillager zurück. Alte, dünne Glasscheiben, rostige Nägel oder Schrauben lagern in den großen Metallschubladen des Archivschranks. „Manch einer würde diese rostigen Nägel oder Scheiben einfach entsorgen, aber für uns sind es die wertvollsten Schätze“, sagt Brückmann. Nur mit diesen Materialien sei es möglich, die Exponate originalgetreu wiederherzustellen. „Früher hatten die Menschen in ihren Häusern ja auch keine Doppelverglasung“, so der Restaurator.

Karin van’t Hull kümmert sich in ihrer Werkstatt um Exponate aus Metall: Dosen, Küchenutensilien oder Spielzeug verleiht sie neuen Glanz. Foto: Rösler

Künstlicher Speichel gegen Schmutz

Filigran geht es zu in der Werkstatt von Karin van t’Hull, Restauratorin für Metall und kunsthandwerkliche Objekte. „Die Metallrestaurierung nimmt einen hohen Anteil meiner Arbeitszeit ein, da wir viele Ausstellungsstücke aus diesem Material haben“, so Karin van’t Hull.
Küchenutensilien oder auch Spielzeug aus Metall liegen bei der Restauratorin auf dem Werkstatttisch. Vorsichtig befreit sie mit Watte und Lösungsmitteln die historischen Gegenstände von Schmutz und Rost. „Dabei haben wir nicht den Anspruch, die Objekte wie neu erscheinen zu lassen.“, sagt van’t Hull, „das Alter soll man jedem Stück weiterhin ansehen.“ Neben Exponaten aus Metall bearbeitet die Restauratorin auch Gegenstände aus anderen Materialien. „Momentan säubere ich eine gut erhaltene Wachspuppe, ein sogenanntes Fatschenkind, das an das gewickelte Jesuskind erinnern sollte“, so die Restauratorin. Um das Puppenkleid kümmere sich eine freie Restauratorin, die den Stoff reinigt und repariert. „Drei Feinrestauratoren arbeiten hier im Freilichtmuseum“ erzählt die LWLerin, „dadurch können wir alle Bereiche der Wiederherstellung abdecken, sei es Holz, Metall, Papier oder Leder.“

Kurz vor dem traditionellen Museumsadvent Anfang Dezember säubert und poliert Wolfram Bangen, Restaurator für Möbel im LWL-Freilichtmuseum Detmold, in seiner Werkstatt Spekulatiusbackformen aus Holz. „Die Holzformen bekommen wir teilweise geschenkt. Sie müssen jedoch nachweislich eine Verbindung zu Westfalen haben“, erklärt Bangen. Durch Schädlinge sind die Objekte aus dem 18. bis 20. Jahrhundert oft sehr beschädigt und verschmutzt. „Ich reinige die filigranen Muster, die ein typisches Spekulatiusgebäck ausmachen, mit einem kleinen Poliergerät“, so der Restaurator. Zur Hilfe für die Reinigung nutzt der LWLer unter anderem künstlichen Speichel. Der löse den Dreck und greife das Holz nicht an.


Blick in die Saisonzukunft

Viel Arbeit liegt auch auf den Schreibtischen der Verwaltung: „Im Winter stecken wir mitten in der Planungsphase für unser neues Saisonprogramm“, sagt Gefion Apel, Leiterin des Referates Kulturvermittlung. „Die Organisation der Veranstaltungen mit den Zeit-, Finanz- und Personalplänen ist sehr zeitintensiv“, so Apel weiter. Rund 130 Programmpunkte, von den Vorführungen des Uhrmachers über die Fotoworkshops bis hin zum Museumsadvent, müssen bis ins kleinste Detail entwickelt werden. „Diese Arbeitsphase ist wichtig, damit während der Saison der Ablauf reibungslos klappt“, erklärt die LWLerin. Jetzt bleibe Zeit, um neue Ausstellungen zu konzipieren und Ausstellungsstücke auszuwählen. Den Überblick über die Exponate behält dabei Dokumentations-Mitarbeiterin Petra Puschmann. Ganzjährig dokumentiert und archiviert sie gemeinsam mit ihrer neuen Kollegin, der Dokumentarin Sandra Hoeritzsch, alle Informationen über die Exponate des Museums. Dabei betreut sie auch die Digitalisierung des Archivs. „Die Umstellung ist sehr mühsam, denn alle Karteikarten müssen manuell in die Datenbank eingegeben werden“, erzählt Puschmann.

In den zahlreichen Gärten auf dem Gelände gibt es viel Arbeit. So müssen beispielsweise die Anbauflächen umgegraben, die Sträucher geschnitten oder Holz gehackt werden. Das erledigen Elmar Zeileis, Sabrina Reuter und ihre Kollegen. Foto: Rösler

Draußen wird es warm

Auch die zahlreichen Tiere des Museums wie Hühner, Esel, Schafe oder Senner Pferde fallen nicht in den Winterschlaf und wollen weiterhin gepflegt werden. Darum kümmert sich das Team der Landschaftsökologie. Besondere Aufmerksamkeit bekommen dabei die drei Senner Pferde Odette, Dorinah und Kassandra da weltweit nur 42 Tiere dieser Art existieren. „Es macht uns schon stolz, dass wir zu der Zucht der seltenen Tiere beitragen“, so Gärtner Elmar Zeileis. Für die fünf Mitarbeiter und die zwei Absolventen des Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) sind Herbst und Winter zeitintensive Jahreszeiten. „Wir haben hier 90 Hektar Fläche, da gibt es immer etwas zu tun“, so Zeileis. Dabei halte die Arbeit mit der Schaufel, Heckenschere oder Axt den Körper warm. „Wir schneiden die Sträucher an den Wegen zurück, jäten Unkraut in den Gärten, graben die Anbauflächen um, pflegen die Hecken oder baggern die Gräben neu aus“, erzählt Zeileis. Zu den jährlichen Aufgaben gehören außerdem die Gehölz- und Obstbaumpflege sowie die Ausbesserungen der Wege. „In der nächsten Saison liegt wieder Holz für die Herdfeuer in den Häusern und der Bäckerei bereit und die Schlaglöcher der Wege sind aufgefüllt“, berichtet Sabrina Reuter, die ein freiwilliges ökologisches Jahr im LWL-Freilichtmuseum Detmold absolviert.

Die Flora der Gärten passt zu den dazugehörigen Gebäuden. „Zu einem wohlhabenden Hof gehört ein opulenter Garten mit Gemüsebeeten aber auch Flächen mit Zierpflanzen“, berichtet Elmar Zeileis. Wenn in den Wintermonaten draußen Eis und Schnee eine Pause erzwingen, dann werden die Pflanzpläne für das Frühjahr vorbereitet. „Dabei orientieren wir uns an den damaligen Speisezetteln der Menschen und planen, wo wir beispielsweise die Bohnen legen oder den Spinat säen“, berichtet er weiter. Außerdem wird das Saatgut vorbereitet, das aus der eigenen Ernte gewonnen wird. „Auch hier versuchen wir die alten Pflanzenarten zu erhalten, unsere älteste Erbsensorte lässt sich bis 1880 zurückverfolgen“, so der Gärtner.

Bis zum Saisonstart sind es noch wenige Wochen. Dann erblühen die Gärten, die Uhren ticken wieder, neue Ausstellungen locken und viele tausende Besucher werden in das LWL-Freilichtmuseum in Detmold kommen. „Wir freuen uns schon auf den Frühling, wenn unsere Wege wieder bevölkert sind und das Museum durch die Besucher belebt wird“, sagt Museumsleiter Dr. Jan Carstensen.