Der Gütersloher Künstler Schargé (l.), Kunigunde Hundt, Leiterin des LWL-Pflegezentrums Warstein, und Helmut S. Ullrich, Kaufmännischer Direktor der LWL-Einrichtung, präsentierten das ungewöhnliche Kunstprojekt "Wir gehen noch!", das von Bewohnerinnen und Bewohnern gestaltet wurde. Foto: LWL/Brinkmann

"Wir gehen noch!"

Kunstprojekt mit Bewohnern des LWL-Pflegezentrums Warstein

Warstein (lwl/bri). Kreuz und quer verlaufen die farbigen Fußspuren auf der Leinwand. Hinterlassen haben sie Menschen, denen man Mobilität nicht unbedingt zutrauen würde. Denn die Bewohnerinnen und Bewohner, die in den Neubau am LWL-Pflegezentrum Warstein eingezogen sind, leiden unter körperlichen und geistigen Behinderungen. Dennoch machen sie deutlich: „Wir gehen noch!“ So lautet der Titel des Projekts, das der Künstler Schargé an der Einrichtung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) umgesetzt hat. Vorgestellt wurde es am Freitag (16.September) im Rahmen der offiziellen Eröffnung des neuen Gebäudeteils.

Entstanden ist das Kunstprojekt durch eine zufällige Begegnung Schargés mit Kunigunde Hundt, der Leiterin des LWL-Pflegezentrums Warstein. Sie erzählte dem Gütersloher Künstler von ihrer beruflichen Tätigkeit: „Seine Reaktion darauf überraschte mich nicht, handelt es sich doch um eine in der Gesellschaft weit verbreitete Auffassung: Es müsse eine schwierige Aufgabe sein, zumal er sich vorstellen könne, dass Menschen in Pflegeheimen bettlägerig seien. Energisch entgegnete ich: ‚Nein, nein, die gehen noch!’“ Und die Leiterin des LWL-Pflegezentrums Warstein machte deutlich, weshalb es sie verärgert, wenn die Menschen in Pflegeheimen von Teilen der Gesellschaft ausgegrenzt werden: „Alle Bewohnerinnen und Bewohner sind mobil, auch wenn einige – rein physisch betrachtet – nicht mehr gehen können. Egal ob mit oder ohne Handicaps, psychisch oder physisch: Jeder Mensch verfügt über besondere Fähigkeiten und Ressourcen. Jeder ist und bleibt eine Persönlichkeit – einmalig und einzigartig.“

Aus Wortspielen und Überlegungen zu ihrer Aussage entstand die Idee einer visuellen Darstellung. Kurz vor dem Umzug der Bewohnerinnen und Bewohner in den Neubau kam Schargé ins LWL-Pflegezentrum Warstein. Die Männer und Frauen ließen ihre Füße mit bunter Farbe bemalen und gingen – soweit möglich – über eine ausgelegte Leinwand. Wer im Rollstuhl sitzt, brachte zumindest seine Fußabdrücke auf. Zuletzt hinterließen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Abdrücke ihrer Füße in roter Farbe. „Gemeinsam mit dem Künstler hatten sowohl Bewohner als auch Mitarbeiter viel Spaß, und es wurde ein unvergessener Tag“, erinnert sich Kunigunde Hundt.