Die ersten Technischen Leiter aus den LWL-Kliniken wurden jetzt in der Handhabung der Software für das neue LWL-Energiedatenmanagement geschult. LWL-Baudezernentin Judith Pirscher (6.v.l.) informierte sich ebenfalls über die technische Innovation. Foto: LWL

Moderne Energiekontrolle soll mindestens 800.000 Euro jährlich sparen

LWL-Energiedatenmanagement geht in Betrieb: umfangreichste Verbrauchserfassung in NRW

Westfalen-Lippe (ufo). Rund zwei Millionen Messwerte pro Tag sollen beim LWL bald Wirkung zeigen. Sie geben seit Kurzem detailliert Auskunft darüber, wie viel Heizenergie, Trinkwasser und Strom der Verband in seinen rund 200 Einrichtungen verbraucht - und das gebäudegenau. Das sogenannte LWL-Energiedatenmanagement (EDM), das im Oktober offiziell in Betrieb genommen wird, ist in seinem Umfang in Nordrhein-Westfalen wohl einzigartig: Über 4.000 zusätzliche Zähler wurden in den vergangenen zwei Jahren in den Liegenschaften des Verbandes installiert. Jährlich will der LWL mit dem Kontrollinstrument mindestens 800.000 Euro einsparen.

Rund fünf Millionen Euro wurden für die Installierung investiert, davon kamen 4,3 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des LWL (LWL-BLB) geht von einer jährlichen Energieeinsparung von mindestens fünf Prozent aus. Damit wären die Kosten für das EDM in neun Jahren ausgeglichen.

„Mit dem Energiedatenmanagement leisten wir nicht nur einen wichtigen Sparbeitrag, sondern unterstützen auch das energiepolitische Konzept des LWL“, so LWL-Baudezernentin Judith Pirscher. Das Konzept sieht unter anderem vor, dass der Verband bis 2020 seine CO2-Emmissionen um 45 Prozent verringern will.

4000 zusätzliche Zähler installiert
Das EDM beginnt vor Ort in den LWL-Einrichtungen: In rund 800 der insgesamt rund 1.400 LWL-Gebäude wurden seit 2009 über 4.000 zusätzliche Zähler für Strom, Wärme und Wasser installiert. Jede Liegenschaft erhielt zudem ein Messgerät für Außentemperatur und Feuchtigkeit. In den Liegenschaften wurden außerdem noch 200 Verbrauchsdatenerfassungsgeräte installiert, die die Zählerstände erfassen und nach Münster übertragen.

1,9 Millionen Messwerte pro Tag

Die Daten der Zähler gelangen per LWL-Datennetz in kurzer Zeit in die zentrale Datenbank der LWL.IT Service Abteilung in Münster. 20.000 Messwerte werden je Viertelstunde von den Zählern abgesetzt. Insgesamt sind das 1,9 Millionen Werte pro Tag, die mit einer speziellen Energiedatensoftware beim LWL-BLB ausgewertet werden können. Diese Datenmenge ist erforderlich, um sogenannte „Lastgänge“ zu ermitteln, die Auskunft darüber geben, wo Verbrauchsspitzen im Tagesablauf entstehen. Aufgebaut hat das System der LWL-BLB in Zusammenarbeit mit der LWL-Nachrichtentechnik und der LWL.IT Service Abteilung.

Rohrbrüche werden schneller erkannt

„Wir haben nun die Möglichkeit, gebäudescharf und nahezu minutengenau festzustellen, wo und wann welche Verbrauche anfallen“, erklärt LWL-Baudezernentin Pirscher. Das bedeutet, Heizzentralen, Blockheizkraftwerke oder Trinkwassererwärmungsanlagen können auf den tatsächlichen Bedarf eingestellt werden. Betriebsstörungen wie beispielsweise Rohrbrüche fallen schneller auf, bevor sie größere Schäden anrichten. Und Lieferleistungen durch Energieversorgungsunternehmen können detailliert ausgeschrieben werden. Aber auch die Wirkung von Energieeinsparmaßnahmen lässt sich mit dem EDM prüfen: Ähnliche Immobilien können nun einem Vergleich unterzogen werden. Das macht Bewertungen möglich und gibt Hinweise auf Sanierungsbedarf und Nutzerverhalten.

Bessere Auswertungsmöglichkeiten für jede LWL-Einrichtung

Nicht nur in der Zentrale im LWL-BLB in Münster stehen die Daten zur Verfügung. Auch die geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtungen können vor Ort die Verbrauchsdaten der Gebäude kontrollieren, für die sie zuständig sind.

Größere Einsparpotenziale möglich

Wie sich das EDM entwickelt, wird der LWL-BLB laufend beobachten. Ansgar Lippert und Martin Hugenroth betreuen das neue Kontrollinstrument neben weiteren Aufgaben. Wie ihr Referatsleiter Reinhard Löbbert und der Projektleiter Klaus Brebaum halten sie nach ihren bisherigen Erfahrungen auch größere Einsparungen als die vorsichtig geschätzten fünf Prozent für machbar. „Beispiele aus anderen Kommunen zeigen uns, dass es möglich ist, bei Objekten, die bisher ohne Energiecontrolling betrieben wurden, Einsparungen von 20 bis 35 Prozent zu erreichen“, so Löbbert.