Leitungskräfte aller Hierachieebenen der LWL-Pflegezentren wurden zu Moderatorinnen und Moderatoren für ethische Fallbesprechungen ausgebildet. Foto: LWL/Kaufhold

„Ich kann doch meine Mutter nicht verhungern lassen!“

Alle Pflegezentren des LWL führen ethische Fallbesprechungen ein

Westfalen-Lippe (lwl). Sollen wir Frau M. noch künstlich ernähren? Hat nicht jeder das Recht auf ein würdevolles Sterben? Darf man denn alles, was man medizinisch oder pflegerisch kann? Es sind Gewissensentscheidungen, die Angehörige wie auch Pflegende, Betreuerinnen und Betreuer sowie auch Ärztinnen und Ärzte in den LWL-Pflegezentren immer wieder vor Herausforderungen stellen.

Künftig gibt es mit der ethischen Fallbesprechung in allen LWL-Pflegezentren ein Instrument, das es noch besser ermöglicht, gemeinsam nach ethisch-moralischen Maßstäben im Sinne des Bewohners und der Bewohnerin zu entscheiden. Die ethische Fallbesprechung ist eine Erweiterung des bereits bestehenden Instruments zur Begleitung und Beratung von Angehörigen sowie Bewohnerinnen und Bewohnern.

Es gilt Wertekonflikte gemeinsam auszuloten – was wiegt schwerer?

„Bei der ethischen Fallbesprechung geht es nicht um eine Expertenethik oder eine Moral des erhobenen Zeigefingers“, sagt Eva Brinkmann, Sprecherin des Arbeitskreises der Leiterinnen der LWL-Pflegezentren. Es gehe vielmehr darum, schwierige Situationen, die eine oft unumkehrbare Entscheidung erfordern, gemeinsam mit den Angehörigen, den behandelnden Ärzten und den Bewohnern zu meistern. Soll Frau M. noch aus dem Bett mobilisiert werden? Soll sie noch Flüssigkeit über eine Infusion erhalten? „Solche Fragestellungen können in diesem Gespräch zum Beispiel ein Thema sein“, erklärt Eva Brinkmann.

Um die richtige Entscheidung muss praxisnah gerungen werden


Innerhalb eines Jahres wurden Leitungskräfte aller Hierarchieebenen der LWL-Pflegezentren zu Moderatoren und Moderatorinnen für ethische Fallbesprechung fortgebildet. Sie lernten, wie Werte, die miteinander im Konflikt stehen, argumentativ abgewogen werden können und trainierten Moderations- und Fragetechniken - immer am Beispiel realer Fälle.

„Wir wollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pflegezentren nicht alleine lassen mit diesen schwierigen Fragestellungen und Problemen. Die Möglichkeit, sich im Rahmen einer ethischen Fallbesprechung gemeinsam für ein Vorgehen zu entscheiden, entlastet und stützt den einzelnen Mitarbeiter“, sagt Eva Brinkmann.