Klaus-Peter Lanser ist Geologe und Paläontologe im LWL-Museum für Naturkunde. Rechts: Der Seismograf im LWL-Museum für Naturkunde in Münster zeigt die Ausschläge des Erdbebens bei Japan an. Fotos: LWL/Oblonczyk

„Man ist nirgendwo auf der Welt sicher vor Erdbeben“

Interview mit Geologe Dr. Klaus-Peter Lanser vom LWL-Museum für Naturkunde

Westfalen-Lippe (ufo). Dr. Klaus-Peter Lanser ist Referent für Geologie und Paläontologie am LWL-Museum für Naturkunde in Münster. Unter anderem betreut er den Seismografen des Museums, der sämtliche Bewegungen der Erdkruste aufzeichnet, wie auch die Schwingungen vom verheerenden Erdbeben in Japan.
 

Herr Lanser, wie haben Sie vom Erdbeben in Japan erfahren?
Im Radio, als ich vorigen Freitag mit dem Auto zur Arbeit fuhr. Ich habe noch gedacht: Gleich musst Du das Papier vom Seismografen austauschen. Was mich dann erwartete, habe ich in meiner bisher 26-jährigen Tätigkeit im Museum noch nicht gesehen. Der Schreiber des Seismografen, dessen Tätigkeit sonst kaum sichtbar ist, schrieb extrem große Kurven. Das war außergewöhnlich.
 

Angeblich hat sich durch das Beben die japanische Hauptinsel um mehr als zwei Meter verschoben. Wie ist das möglich?
Vor der japanischen Küste stoßen zwei Kontinentalplatten aufeinander – die Eurasische und die Pazifische Platte. Dabei bauen sich zwangsläufig tektonische Spannungen auf, die sich immer wieder durch Erdbeben entladen und mit ihrer ungeheuren Wucht auch die Landmassen verschieben können.
 

Hat diese Verschiebung auch Auswirkungen auf die gesamte Erde?
Die zahlreichen Beben, die täglich auf der Erde passieren, sind Zeichen der Bewegung der Erdkruste, der sogenannten Plattentektonik. Die Erde verändert ständig ihre Oberfläche, und das tut sie seit Ihrer Entstehung.
 

Wie ist es hier in Westfalen, sind wir sicher vor Erdbeben?
Mitte der 80er Jahre gab es zum Beispiel ein Erdbeben in Ibbenbüren, das man auch noch in Münster spüren konnte. Und vor kurzer Zeit hat man in Nassau in Rheinland-Pfalz ein Beben der Stärke 4,4 gemessen, das ebenfalls bis nach Münster wirkte. Man ist an keinem Ort der Erde sicher vor einem Erdbeben. Aber nach allem menschlichen Ermessen wird hier in Westfalen ein solch verheerendes Beben wie in Japan nicht stattfinden.
 

Bemerken Sie im Museum ein verstärktes Interesse an dem entsprechenden Ausstellungsbereich?
Am Wochenende hatten wir sehr viele Besucher, die sich die Aufzeichnungen des Seismografen ansehen wollten. Wir wollen künftig den Ausstellungsteil zur Tektonik der Erde optimieren und modernisieren. Angedacht ist zum Beispiel, ein Videogerät und eine Monitor aufzustellen, der zeigt, wie der Seismograf arbeitet.