LWL-Gleichstellungsbeauftragte Ute Junker. Foto: LWL/Forbrig

"Alte Denkweisen über Bord werfen“

Der neue LWL-Frauenbericht ist erschienen – Interview mit der LWL-Gleichstellungsbeauftragten Ute Junker

Westfalen-Lippe (ufo). Die LWL-Gleichstellungsstelle hat den neuen Frauenbericht herausgegeben. Dieser alle vier Jahre erscheinende Report gibt einen Überblick über die Situation der beschäftigten Frauen beim LWL. LWLaktuell sprach dazu mit der LWL-Gleichstellungsbeauftragten Ute Junker.

Frau Junker, seit dem ersten Frauenbericht 1985 hat sich die Zahl der Frauen, die beim LWL beschäftigt sind, von 40 auf 65 Prozent erhöht. Ist der LWL ein besonders frauenfreundlicher Arbeitgeber?

Ute Junker: "Die Zunahme von weiblichen Beschäftigten in den letzten Jahren ist zum einen den guten Bildungsabschlüssen von Mädchen und jungen Frauen geschuldet, die sich in Einstellungsverfahren gegenüber ihren männlichen Konkurrenten durchsetzen, zum anderen sind überproportional viele Frauen im Gesundheitswesen, also im LWL-Psychiatrieverbund und da in der Pflege von Patienten und Patientinnen zu finden.
Frauenfreundlich heißt nicht, einen hohen Anteil von Frauen an den Beschäftigten zu haben, sondern entsprechend auf die Bedürfnisse von Frauen in Bezug auf Vereinbarkeit von Beruf und Familie einzugehen."

Wo muss Ihrer Meinung nach noch mehr für die Frauen beim LWL getan werden?

"Beim LWL haben wir gute Rahmenbedingungen, die wir in der LWL-Gleichstellungsstelle bislang als ausreichend erachten. Wir schauen im Moment jedoch verstärkt auf die bedenklichen Ergebnisse der Demografischen Entwicklung. Diese zeigen, dass der LWL nicht nur Beschäftigte an sich binden, sondern auch im Konkurrenzkampf mit anderen Kommunen und Institutionen neues Personal gewinnen muss, gerade in Bezug auf die Rekrutierung von Fachkräften und gerade im Gesundheitssektor. Es müssen künftig noch mehr Strukturen aufgebrochen und alte Denkweisen über Bord geworfen werden, um Frauen und Männern, die sich der Kinderbetreuung widmen und in die Pflege von Angehörigen eingebunden sind, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen."

Was unternimmt die LWL-Gleichstellungsstelle dafür?

"Das Motto der LWL-Gleichstellungsstelle war immer schon „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann“. Es fällt manchen Denkern im LWL nach wie vor schwer, sich von alten Meinungen über die Wertigkeit und Anerkennung von Teilzeitarbeit zu verabschieden. Leider richten sich Führungskräfte auch heute noch stark an der bisherigen männlichen Erwerbsbiografie aus, die von einer durchgehenden Vollzeitarbeit ohne Unterbrechungen von der Ausbildung bis zur Pensionierung ausgeht. Die LWL-Gleichstellungsstelle berät und unterstützt Beschäftigte und Führungskräfte in ihrem Vorhaben, die Arbeitszeit zu flexibilisieren. Sie arbeitet in Projekten mit und zeigt Vorteile und Notwendigkeiten auf."

Besonders auffällig ist der Trend, dass immer mehr Frauen in Teilzeit beschäftigt sind. Seit 1995 hat sich der Anteil auf rund 36 Prozent erhöht und damit verdoppelt. Bei den Männern sind es nur sechs Prozent, die in Teilzeit arbeiten. Welche Gründe sehen Sie für diese Entwicklung?

"Die Fürsorge für andere Menschen innerhalb der Familie ist bei Frauen besonders ausgeprägt. Frauen lassen sich bereitwillig einbinden und übernehmen den Hauptanteil an der Familienarbeit. Die Bereitschaft, die Arbeitszeit zu reduzieren und Betreuungsaufgaben zu übernehmen, regelt sich allerdings in den meisten Fällen über die Höhe der einzelnen Verdienste der Partnerin oder des Partners. Meistens liegt die Höhe der monatlichen Bezüge der Partnerin, die Vollzeit arbeitet, unter denen des Partners mit einem ganzen Gehalt. So dass unter dem Strich - bei allen guten Vorsätzen - das Familieneinkommen zählt."

Und wie steht es mit den männlichen Beschäftigten beim LWL: Müssen diese durch die starke Präsenz von Frauen beim LWL nun auch gefördert werden?

"Die LWL-Gleichstellungsstelle berät und unterstützt selbstverständlich auch die männlichen Kollegen mit dem gesamten Beratungsangebot, gerade auch bei Problemen mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Bei Personalauswahlverfahren bekommt die Person die Stelle zugesprochen, die am besten geeignet erscheint. Die klassische Frauenförderung setzt erst an, wenn es sich um einen frauenunterrepräsentierten Bereich handelt, in dem eine neue Stelle besetzt werden soll, das heißt. in Vergütungs- und Besoldungsgruppen, in denen Frauen nicht zu 50 Prozent vertreten sind.
Der Frauenbericht 2010 gibt einen Überblick über die derzeitige Situation von Frauen beim LWL und spannt einen Bogen zu dem ersten Frauenbericht aus dem Jahre 1985. Daraus lässt sich das Ergebnis ablesen, dass sich die Zahlen im Vergleich der letzten Jahre positiv entwickelt haben und die Frauenförderung langsam aber stetig voranschreitet. Dennoch wird bei der Betrachtung der höheren Einkommensgruppen und Leitungspositionen deutlich, dass auch heute noch auf diesen Ebenen die Männer deutlich vorne liegen."