Im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung bietet Michaela Joswig auch ihren Kolleginnen und Kollegen Boxtraining an. Foto: LWL

Entspannen durch Boxen

In der LWL-Klinik Herten kommt der Kampfsport in der Therapie zum Einsatz - Bislang einmalig in der Psychiatrie

Herten (lwl/som). Boxen wird oftmals mit Prügelsport in Verbindung gebracht. „Alles Vorurteile und auch falsch“, sagt Michaela Joswig, Ergotherapeutin in der LWL-Klinik Herten. Sie muss es wissen, denn schließlich hat sie jahrelange Erfahrung mit Kampfsport. Michaela Joswig ist das lebendige Beispiel dafür, dass Boxen Spaß machen und für allgemeines Wohlbefinden sorgt. Joswig hat nun das therapeutische Boxen im Rahmen des Regulationstrainings in der LWL-Klinik Herten eingeführt, was in der Psychiatrie einmalig ist. Geht das?

„Das geht sogar sehr gut“, sagt die Ergotherapeutin, die seit über einem Jahr in der LWL-Klinik tätig ist. Ein Schlüsselerlebnis auf der Depressionsstation brachte sie auf den Gedanken, das Boxen einzuführen. „Ich sah hier Menschen mit nach innen gerichteten Aggressionen, die ihre Wut zum Beispiel an Bäumen oder Türrahmen ausließen, was sicherlich sehr schmerzhaft war.“ Doch wohin mit den Aggressionen? Die junge Ergotherapeutin schlug unter anderem Pratzentraining vor. „Kontrolliertes Draufschlagen auf ein Schutzkissen“ nennt sie diese sportliche Form der Aggressionsbewältigung für aggressionsgehemmte Menschen, die in einem geschützten Rahmen umgesetzt wird. Wo die Patientinnen und Patienten sich wohlfühlen und gleichzeitig Grenzen erfahren und wobei sich nebenbei fast ganz unbemerkt die Aggressionen auflösen. „Es geht nicht ums Schlagen“, beschreibt Michaela Joswig, „sondern vielmehr um Interaktion, die Stärkung des Selbstwertgefühls und des Körperbewusstseins.“

Die Frauen und Männer sind nach dem therapeutischen Boxen zwar zunächst körperlich erschöpft, zugleich aber auch gestärkt mit dem Gefühl innerlich wie äußerlich größer zu wirken. Drei Gruppen mit jeweils sechs bis acht Personen hat sie mittlerweile eingerichtet, auch für Patienten, die nach einer stationären Behandlung ambulant weiterbehandelt werden. Nötig ist lediglich eine Heilverordnung für Ergotherapie.

Im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung bietet Michaela Joswig auch ihren Kolleginnen und Kollegen Boxtraining an.

Ansprechpartnerin: Michaela Joswig, E-Mail: michaela.joswig@wkp-lwl.org