"Wer macht mit...?" zeigt, wie Kinder früher gespielt haben. Der Museumspädagoge Ulrich Neseker vom LWL-Museumsamt ist Initiator der Ausstellung. Rechts: "Bickeln" wurde mit Fußgelenkknochen von Schafen oder Ziegen gespielt.Fotos: LWL

Bickeln, Gummitwist und Döppken

LWL-Wanderausstellung "Wer macht mit...?" zeigt alte Kinderspiele aus Westfalen

Münster (sum). Bickeln, Schwirrer und Döppken – viele Spielsachen von früher sind heute kaum mehr bekannt. Die LWL-Wanderausstellung „Wer macht mit...? Alte Kinderspiele aus Westfalen“ zeigt, wie Kinder früher gespielt haben und welches Spielzeug sie benutzten.
 

Im Mittelpunkt stehen die Spiele der Kinder aus ärmeren Bevölkerungsschichten: vom Reifentreiben über das Knickern mit Murmeln bis zum Döppken, ein Kreisel, der mit Hilfe einer Schnur zum Kreisen gebracht wird. „Häufig findet man in Sammlungen und Dauerausstellungen nur die wertvollen Spielsachen von früher, wie etwa schöne Schaukelpferde oder aufwändige Miniaturdampfmaschinen. Die Spielsachen der Arbeiter-, Bauern- oder Handwerkerkinder wurden dagegen meist nicht aufgehoben“, sagt der Museumspädagoge des LWL-Museumsamtes und Initiator der Ausstellung Ulrich Neseker.


Mit der Ausstellung einen Traum erfüllt
 

Viele Exponate der Ausstellung seien deshalb Privatleihgaben. Auch Neseker selbst hat einige Spielzeuge, wie etwa alte Kreisel oder Papierdrachen, die seine drei Töchter gebastelt haben, beigesteuert. „Ich habe mir mit dieser Ausstellung so etwas wie einen Traum erfüllt, denn dieses Thema beschäftigt mich seit meinem Volontariat 1989 im LWL-Freilichtmuseum Detmold. Hier, wo der Wandel der Kulturgeschichte Westfalens gezeigt wird, kam mir die Idee, ebenso Kinderspiele als Zeugnisse der Alltagskultur genauer zu betrachten“, sagt Neseker.
 

Alte Spiele noch heute beliebt
 

Über 100 Exponate und zahlreiche Spielbeschreibungen zeigen, wie sich Kinder aus Alltagsgegenständen oder Müll ihr Spielzeug selbst gebastelt und sich damit die Zeit vertrieben haben. Darüber hinaus gab es reichlich Spiele, für die man gar kein Material benötigte, wie etwa Versteck- und Fangspiele mit den Nachbarkindern auf der Straße. „Wer macht mit“ war beispielsweise im Münsterland ein weit verbreiteter Ruf, um Spielkameraden für das sogenannte Räuber und Schandit aus den Häusern zu locken.
 

Einige dieser Spiele seien auch heute noch sehr beliebt, weiß der Familienvater. „In der Schule meiner Töchter sind Hüpfspiele auf den Schulhof gezeichnet, und auch Gummitwist und Seilchenspringen kommen insbesondere bei den Mädchen nicht aus der Mode“, erzählt Neseker.
 

Reifentreiben direkt in der Ausstellung

„Wir haben damals in jeder freien Minute Fußball gespielt und mit den Nachbarkindern eine richtige Straßenmannschaft gegründet, mit der wir gegen andere Vereine und Schulklassen angetreten sind“, erinnert sich der Ausstellungsmacher. Heute säßen die Kinder oft in ihren Kinderzimmern vor der Playstation, so der Museumspädagoge. „Viele Kinder wissen heute nur noch sehr wenig über die Natur und haben auch Schwierigkeiten beim Basteln oder Balancieren“, sagt Neseker. Er hoffe mit der Ausstellung dazu anzuregen, die Kinder von den elektronischen Spielgeräten wegzulocken: „Das Ziel der Ausstellung ist, dass Eltern und Großeltern mit ihren Kindern und Enkeln durch die Ausstellung gehen, sich an alte Zeiten erinnern und selbst von früher erzählen und erklären, wie die Spiele funktionieren.“

Viele Spiele können direkt in der Ausstellung ausprobiert werden. „Bei schönem Wetter haben die Kinder die Möglichkeit, draußen Stelzen zu laufen oder Reifen zu treiben, drinnen stehen Murmeln oder Kreisel bereit“, erzählt Neseker. Als besonderer Anziehungspunkt habe sich in den ersten Wochen die Verkleidungskiste mit dem großen Spiegel daneben herausgestellt.
 

Zurzeit ist die Ausstellung noch bis zum 3. Juli im Alten Kutschenmuseum Gescher zu sehen, danach geht sie auf Wanderschaft durch sieben weitere westfälische Museen.


"Wer macht mit...?"
Alte Kinderspiele aus Westfalen

Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen
Armlandstraße 48 in 48712 Gescher
15. Mai bis 3. Juli 2011
geöffnet: dienstags bis samstags 15 bis 17 Uhr, sonntags 10 bis 17 Uhr
 

Weitere Stationen:

10. Juli bis 28. August 2011: Stadtmuseum Iserlohn

4. September bis 30. Oktober 2011: Südsauerlandmuseum Attendorn

3. November 2011 bis 15. Januar 2012: Museum der Stadt Bad Berleburg

22. Januar bis 25. März 2012: Deutsches Märchen- und Wesersagenmuseum
Bad Oeynhausen

1. April bis 28. Mai 2012: Medizin- und Apothekenmuseum Rhede

3. Juni bis 29. Juli 2012: Stadtmuseum Münster

5. August bis 16. September 2012: Museen der Stadt Lüdenscheid