Links: Die "Klinikclowns" Knolle und Klara verbreiten gute Stimmung auf zwei gerontopsychiatrischen Stationen der LWL-Klinik Dortmund (v. l.): Dr. Alexandra Valkovic, Dr. Petra Dlugosch, Clown "Knolle", Clown "Klara" und Dr. Editha Knecht. Fotos: LWL

Visite mit roter Nase

Die Clownsvisite weckt in der LWL-Klinik Dortmund die Lebensgeister demenzkranker und älterer depressiv erkrankter Patienten

Dortmund (sum). Grau-weiße Haarsträhnen umranden das faltige Gesicht, der Blick ist zur Decke gerichtet. Seit Beginn ihrer Behandlung liegt die Patientin stumm in ihrem Bett, erzählt kein Wort. Doch dann, ein vorsichtiges Klopfen, die Tür geht auf, und plötzlich lächelt die 72-Jährige. Die Clowns sind da: „Knolle“ und „Klara“ haben es alleine mit ihrer Erscheinung geschafft, einen Zugang zu der demenzkranken Patientin zu bekommen.


Lebensgeister wecken


Seit mittlerweile fast sieben Jahren besuchen ausgebildete Klinikclowns wöchentlich die Patientinnen und Patienten auf den gerontopsychiatrischen Stationen und wecken mit ihren bunten Kostümen und der dicken roten Nase im Gesicht die Lebensgeister. „Es ist eine ganz andere Art, hochprofessionell mit den psychisch erkrankten älteren und alten Menschen umzugehen. Sie lässt schnell und teilweise ohne Worte Beziehungen entstehen“, erklärt Dr. Petra Dlugosch, die Chefärztin der Abteilung Gerontopsychiatrie und Initiatorin der sogenannten Clownsvisite in der Dortmunder LWL-Klinik.


Kontakt auf Augenhöhe


Bernd Witte und Eva Paulus, alias „Knolle“ und „Klara“, bewegen sich rund drei Stunden singend und tanzend von Zimmer zu Zimmer und lachen mit den älteren Patienten. Der Humor und das sanfte Händestreicheln oder die Umarmungen der unbekümmerten Clowns dringen zu den teils depressiven und apathischen Patienten durch. „Das ist auch sehr entlastend für uns, da wir mit normaler Ansprache manchmal nichts bewirken können“, sagt Dlugosch, „die Clowns stellen hier sofort Kontakt auf Augenhöhe her und bauen eine Bindung auf“. Manchmal setzt der Besuch auch tiefer liegende Gefühle frei, die zu unerwarteten Reaktionen führen: „Eine bettlägerige Patientin hat im Bett sitzend Sirtaki getanzt, eine manische Patientin hat traurige Lieder aus ihrer Heimat gesungen“, nennt Dlugosch Beispiele. Manche Patienten lehnen einen Besuch von “Knolle und Klara“ jedoch auch ab. „Das akzeptieren wir natürlich“, sagt Dlugosch. „Sie schauen den Clowns dann nur am Rande zu und überwinden dabei manchmal ihre Skepsis“, so die Chefärztin.
 

Die LWL-Klinik Dortmund ist eine der ersten LWL-Kliniken, die eine Clownsvisite einsetzt. Finanziert wird das Projekt vor allem von der LWL-Klinik und teilweise durch Spenden der „Soroptimistinnen – Club Dortmund“, deren Mitglieder sich für soziale Zwecke engagieren. Um den Erfolg des Projekts auch wissenschaftlich zu belegen, ist ein Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Rolf-Dieter Hirsch aus der Gerontopsychiatrie der LVR-Klinik Bonn geplant. Die Ergebnisse sollen weitere Kliniken von dem Einsatz der Clowns überzeugen, so hofft Dlugosch.