Auch Jugendliche zog es zu Zeiten des Wirtschaftswunders immer öfter ins Ausland, wie hier zwei junge Männer nach Salzburg. „Allzuoft werden solche Reisen jedoch in großer Sorglosigkeit angetreten“, warnte 1962 das LWL-Landesjugendamt. Foto: Volkskundliche Kommission für Westfalen /LWL

Der LWL vor 50 Jahren

Warnung vor Gefahren bei Auslandsreisen für die Jugend – Landesjugendamt richtet im Sommer 1962 ungewöhnlichen Appell an Erziehungsberechtigte

Westfalen-Lippe (lwl). Im Sommer 1962 veröffentlichte der LWL eine eindringliche Pressemitteilung: Das Landesjugendamt mahnte die Eltern vor den Gefahren von Auslandsreisen für die Jugend. „Abenteuerlust, wirklichkeitsfremde Erwartungen, unbedachtes Vertrauen gegenüber Fremden, unzulängliche Geldmittel, unzureichende Kenntnis der Sprache, der Sitten und der Gewohnheiten des besuchten Landes können Jugendliche in Lagen bringen, denen sie nicht gewachsen sind“, heißt es in der Mitteilung und endet mit einem Appell: „Bewahrt Eure Kinder vor diesen Gefahren! Laßt Sie nicht ohne gründliche Vorbereitung ins Ausland fahren!“

„Das klingt heute in Zeiten grenzenloser Mobilität, die auch für viele Jugendliche gilt, recht ungewöhnlich“, sagt Hans-Jürgen Höötmann vom LWL-Archivamt und erklärt die Hintergründe: „In den 1960er Jahren setzte in Deutschland mit dem Wirtschaftswunder auch der Massentourismus ein. Arbeitszeitverkürzungen und die höheren Löhne und Einkommen hatten mittlerweile die Möglichkeiten zur Freizeit vermehrt.“ Es herrschte einerseits eine Aufbruchstimmung, die auch viele Jugendliche erfasste, die andererseits aber noch von einer Unsicherheit im Umgang mit der neuen Freizügigkeit geprägt war.