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Freuen sich über den Erfolg: (v.l.) Marlies Baak-Witjes, Projektleiterin FILM+SCHULE NRW, Carsten Happe, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit SchulKinoWochen, Dr. Barbara Rüschoff-Thale. LWL-Kulturdezernentin, Martin Husemann, Referent FILM+SCHULE NRW, Risna Olthuis, Projektkoordinatorin SchulKinoWochen, Dr. Markus Köster, Leiter des LWL-Medienzentrums. Foto: LWL-Medienzentrum/Sobke

Wenn im Unterricht das Licht ausgeht

SchulKinoWochen brechen mit 80.000 Anmeldungen den Besucherrekord

Westfalen-Lippe (vr). Der Saal verdunkelt sich, das Stimmengemurmel wird leiser, der Samtvorhang geht auf. Seit dem 19. Januar und noch bis zum 08. Februar tauschen Schülerinnen und Schüler aus ganz Nordrhein-Westfalen die Schulbank mit dem Kinosessel. Die dreiwöchigen SchulKinoWochen NRW finden bereits zum sechsten Mal statt und sind in vielen Schulen inzwischen fester Bestandteil der Jahresplanung. Für das diesjährige Programm gibt es über 80.000 Anmeldungen. Letztes Jahr haben rund 70.000 Schüler an dem Projekt teilgenommen. Veranstalter der SchulKinoWochen sind in langjähriger Kooperation „Vision Kino – Netzwerk für Film- und Medienkompetenz“ und „FILM+SCHULE NRW“, eine gemeinsame Initiative des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) und des NRW-Schulministeriums. Ein Programm aus mehr als 120 Filmen für alle Schulformen und Altersstufen steht unter dem Motto „Mit Filmen sehen lernen“ zur Auswahl.

Kontakt zu Filmschaffenden gehört zum Unterricht
„Das Schulministerium empfiehlt den Kinobesuch ausdrücklich als gleichwertigen Unterricht“, erklärt Marlies Baak-Witjes, Pädagogin und Projektleiterin von FILM+SCHULE NRW im LWL-Medienzentrum. „Wir sind froh, dass das Projekt jedes Jahr so gut angenommen wird und die Teilnehmerzahlen sogar noch steigen“, berichtet sie lächelnd. Momentan habe das Projektteam alle Hände voll zu tun, um die vielen Anmeldungen zu koordinieren.
Den Erfolg der SchulKinoWochen erklärt sich die Pädagogin so: „Neben dem pädagogisch wertvollen Filmprogramm bieten wir den Schulen kostenloses Unterrichtsmaterial zu allen Filmen und einen ermäßigten Eintrittspreis.“ Besonders begeistert seien die Schulklassen, wenn sie nach der Filmvorführung im Kino auch noch mit einem echten Regisseur, einer Schauspielerin oder einem Tonmeister sprechen können. „Insgesamt bieten wir 43 Begegnungen mit Filmschaffenden an“, erklärt Baak-Witjes.

Teamarbeit ist Voraussetzung
Durch die Gespräche mit Filmschaffenden lernen die Schülerinnen und Schüler auch, dass Filmarbeit nur durch die Leistung eines Teams machbar ist. „Wir weisen immer auf die Vielzahl der im Filmabspann aufgeführten Berufe hin – selbst der berühmteste Star ist auf eine gute Arbeit der Beleuchter angewiesen“, weiß die LWLerin. Wie bei einer Filmproduktion geht es auch bei der Organisation der SchulKinoWochen um gute Teamarbeit. „Ohne die engagierte Zusammenarbeit der Verantwortlichen beim LWL mit den acht erfahrenen freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Filmbildung wäre der Erfolg der SchulKinoWochen NRW nicht denkbar“, betont Marlies Baak-Witjes.
„Gerade die SchulKinoWochen liegen mir sehr am Herzen, da das Medium Film meiner Meinung nach in der Schule noch immer zu wenig genutzt wird“, erklärt die Projektleiterin von FILM+SCHULE NRW. „Dabei können besonders Filme Kinder und Jugendliche für gesellschaftliche Themen sensibilisieren und Emotionen wecken.“ Kein Lehrbuch könne Gestik und Mimik sowie die Wirkung der großen Leinwand ersetzen. Natürlich sei die richtige Filmauswahl nach pädagogischen Gesichtspunkten entscheidend.
 

Der Film „Almanya – Willkommen in Deutschland“ hat die meisten Besucher. Die Tragikomödie ist eine deutsche Produktion und thematisiert die Frage nach der Heimat und Identität türkischer Gastarbeiter in Deutschland über mehrere Generationen hinweg. Foto: Concorde

Darf Kultur nach Popcorn riechen?

Kritische Stimmen, dass ein Kinobesuch eher in die Freizeit gehöre, beantwortet Marlies Baak-Witjes damit, dass Filme ein Teil der Kultur sind, ähnlich wie das Theater. „Die Lehrkräfte schätzen besonders, dass die Schülerinnen und Schüler im dunklen Kinosaal viel konzentrierter bei der Sache sind als im Klassenzimmer. „Der Lerneffekt ist höher, wenn der Unterricht Spaß macht. Und einen Film auf der Leinwand zu sehen, ist natürlich ein emotionales Erlebnis“, so Baak-Witjes weiter. Der Kinobesuch werde außerdem in der Schule vor- und nachbereitet. Die Schülerinnen und Schüler schreiben beispielsweise Filmkritiken und lernen die Sprache der Bilder zu deuten.
Durch die entsprechende Filmauswahl gelänge es, Kinder und Jugendliche auch für schwierige Themen wie zum Beispiel das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderungen, den Umweltschutz oder die Unterschiede verschiedener Kulturen zu sensibilisieren. Der meist gebuchte Film sei derzeit „Almanya –Willkommen in Deutschland“, der sich mit dem Thema Migration beschäftigt.

Nach einer stressigen Arbeitswoche geht die Dortmunderin auch privat gerne ins Kino. „Mein persönlicher Lieblingsfilm ist aktuell die Komödie ‚Ziemlich beste Freunde‘ – diesen Film lege ich wirklich jedem ans Herz“, so Marlies Baak-Witjes.