Dorothea Sauter. Foto: LWL

Kiloweise Wissen

Dorothea Sauter ist Hauptautorin eines Standardwerks für die Psychiatrische Pflege

Münster (ufo). Wenn Dorothea Sauter das Werk in den Händen hält, muss sie ordentlich zugreifen. Die 1208 Seiten, verpackt in einem leuchtend roten Einband, wiegen mehrere Kilo. Das Lehrbuch Psychiatrische Pflege ist ein Standardwerk. Es hat den Anspruch, von den Grundlagen über rechtliche Aspekte und Pflegetechniken bis zu Pflegekonzepten umfassendes Wissen zu vermitteln, „immer orientiert an den Wünschen und Nöten der Patienten“, betont die LWLerin. Vor Kurzem ist die dritte Auflage erschienen, 12.000 Exemplare wurden seit der ersten Auflage von 2004 verkauft.

Dorothea Sauter, beim LWL seit 1995 in leitenden Positionen im Pflegebereich beschäftigt und seit zwei Jahren in der Pflegedokumentation für das Krankenhaus-Informationssystem tätig, ist eine von vier Herausgebern des Lehrbuchs und Hauptautorin. Rund ein Viertel des Buches stammt aus ihrer Feder.

Vor zwölf Jahren begonnen

Begonnen hat alles 1999. Ein Lektor eines wissenschaftlichen Verlages suchte Autoren für ein Lehrbuch für die Psychiatrische Pflege. Sauter erfuhr davon und nahm die Herausforderung an. „Ich hatte damals schon an einem Buch über Pflege mitgewirkt und festgestellt, dass mir Schreiben Spaß macht und dass ich dabei immer dazulernen kann. In Ihrer Freizeit traf sie sich mit ihren drei Mitautoren, darunter zwei Schweizer. In mehreren Workshops lernten sie sich kennen, gestalteten das formale Gerüst und die Grundausrichtung des geplanten Werkes.

Entscheidend: die Sicht der Patienten

„Schnell war klar, dass wir besonderes Augenmerk auf die Verzahnung von Theorie und Praxis und auf das Erleben der Klienten legen wollten. Vor allem sollte das Buch die wichtigen Pflegethemen in der Psychiatrie besprechen und nicht die Krankheitsbilder, ähnlich wie in amerikanischen Pflegebüchern. Solch eine Ausrichtung gab es in Lehrbüchern zum Thema psychiatrische Pflege in Deutschland noch nicht“, sagt Sauter. So ist das Herzstück des Buches auch der Abschnitt zu Pflegekonzepten, in denen über 30 alltägliche Pflegethemen wie „Hoffnung“, „Wohlbefinden“, „Langeweile“ oder „Humor und Lachen“ behandelt werden. „Wir lassen dabei die ganz subjektive Sicht der Patienten einfließen, also das, womit Pflegende jeden Tag konfrontiert werden“, so Sauter. Das Lehrbuch gibt Impulse für die Kommunikation mit den Patienten und deren positive Unterstützung, gibt Hilfestellungen bei der Beschreibung von Pflegediagnosen und begleitet jede Phase im Pflegeprozess.

Positives Echo von Pflegeexperten

Fünf Jahre arbeitete das Autorenteam an dem Lehrbuch. 2004 erschien die erste Auflage, 2006 wurde nachgedruckt. Das Wissen in der Pflegewissenschaft, eine in Deutschland noch sehr junge Disziplin, veraltet schnell. 2009 wurde die grundlegende Überarbeitung geplant, die jetzt mit der dritten Auflage abgeschlossen werden konnte. Die Resonanz von Pflegeexperten ist sehr gut. In seinem Geleitwort äußert sich Pflegeprofessor Dr. Frank Weidner über das Buch als „Beitrag zur Professionalisierung der Pflege“ und Dr. Ruth Schröck, ebenfalls Professorin für Pflegewissenschaft, spricht sogar von einem „phänomenalen Werk“. „Das ist für uns Autoren natürlich eine große Belohnung“, sagt Sauter, die finanziell nur gering von den verkauften Exemplaren profitiert. „Der Ertrag ist eher mein Zugewinn an Wissen und die Zufriedenheit über das Erreichte“, so Sauter, die jetzt erst einmal eine Auszeit vom Schreiben nimmt. Die vierte Auflage wird frühestens in einem Jahr angegangen.
 

Dorothea Sauter, Chris Abderhalden, Ian Needham, Stephan Wolff (Hrsg.)
Lehrbuch psychiatrische Pflege
3. Aufl. 2011, 1208 S.
ISBN: 978-3-456-84640-8
79,95 Euro