Monika Hartwig arbeitet im LWL-Pflegezentrum Warstein. Rechts: Gedächtnistraining mit Bild: Monika Hartwig und Bewohnerin Hildegard Obermeier. Fotos: LWL/GfG
Wenn die Erinnerung verblasst, braucht es viel Engagement
Monika Hartwig leitet eine Wohngruppe demenzkranker Menschen im LWL-Pflegezentrum Warstein
Warstein (lwl). Die Krankheit Demenz, übersetzt „abnehmender Verstand“, wird die LWL-Pflegezentren in den kommenden Jahren immer öfter beschäftigen. „Jede zweite Frau und jeder vierte bis fünfte Mann wird in Zukunft davon betroffen sein“, sagt die ausgebildete Krankenschwester und Wohngruppenleiterin Monika Hartwig, die im LWL-Pflegezentrum Warstein arbeitet. Hier leben Bewohner, die an Demenz erkrankt sind.
„Wer ist das?“, fragt Monika Hartwig mit ruhiger Stimme und deutet mit dem rechten Zeigefinger auf ein Bild an der Wand, unter dem ein kurzer Text steht. „Weiß ich nicht“, murmelt Hildegard Obermeier. Die ältere Dame in der gestreiften Bluse schaut genauer hin, dreht eine Perle ihrer Kette in der Hand. „Ne, weiß ich nicht“, sagt sie wieder. Monika Hartwig lässt nicht locker. „Versuchen Sie es noch einmal. Ich gebe Ihnen einen Tipp: Die beiden verirrten sich im Wald“, sagt die Wohngruppenleiterin. Plötzlich öffnet sich das Gesicht von Hildegard Obermeier, sie lächelt, nickt. „Das sind Hänsel und Gretel, und gleich kommt die Hexe“, ruft sie und blickt auf das nächste Bild.
Immer mehr Menschen leiden unter Demenz
Die einprägsamen Illustrationen hängen im Flur einer Wohngruppe des LWL-Pflegezentrums Warstein. Sie sind Teil eines Konzeptes, das den Bewohnerinnen und Bewohnern zwischen 60 und 100 Jahren hilft, sich im Alltag zu orientieren in einer für sie oft orientierungslosen Welt. Denn die Hauptdiagnose der knapp 30 Menschen, die in der Wohngruppe mit den hellen, freundlichen Gängen in Einzel- oder – wenn gewünscht – Doppelzimmern leben, ist die Altersdemenz. An ihr leiden 23 der 30 Frauen und Männer, Tendenz steigend: Die demografische Entwicklung lässt die Gesellschaft immer älter werden, die demenziellen Symptome und Verhaltensweisen nehmen zu.
Frauen sind häufiger betroffen als Männer
Je älter ein Mensch wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er an Demenz erkrankt, bei den über 90-Jährigen liegt der Anteil bei etwa einem Drittel. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer“, sagt Monika Hartwig, die vor 29 Jahren in Warstein ihre Ausbildung als Krankenschwester machte und sich 2007 zur Wohngruppenleiterin weiterbildete. Sie sieht es als wichtigen Teil ihrer Arbeit, das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner positiv zu beeinflussen. „Wir wollen, dass sie aktiv bleiben und am Tagesgeschehen teilnehmen. Dazu versuchen wir, ihre Fähigkeiten und Ressourcen so oft wie möglich anzusprechen.“
