NRW-Innenminister Ralf Jäger (Mitte) übergab an den LWLer Matthias Warnecke (l.) und an Ralf Josef Vadder die Rettungsmedaille. Foto: Staatskanzlei NRW/Meyer und Privat

„Ich bin einfach gesprungen“

Matthias Warnecke erhielt für selbstlosen Einsatz die Rettungsmedaille des Landes NRW

Münster/Essen (ufo). Es war ein kalter Tag, der 21. März 2010. Matthias Warnecke joggte am Kanal in Münster und bemerkte schon aus einiger Entfernung, dass am Ufer vor ihm etwas nicht stimmte. Der LWL-Beschäftigte aus der LWL.IT Service Abteilung hielt an: „Im Wasser sah ich einen Mann, der mit viel Kraftanstrengung einen zweiten Mann, der wohl bewusstlos war, über Wasser hielt“, erzählt Warnecke. Eine Passantin hatte bereits einen Rettungsdienst verständigt. „Es war offensichtlich, dass die beiden Männer - es waren zwei Angler - im Kanal schneller Hilfe benötigten. Da habe ich noch meinen Haustürschlüssel der Passantin gegeben und bin einfach gesprungen“, sagt der 41-Jährige. Zusammen mit dem ersten Retter, Ralf Josef Vadder, verhinderte er, dass der bewusstlose Mann im fünf Grad kalten Wasser untertauchte. Jeweils mit einer Hand hielten sie sich am Kai fest. „Ich hatte so viel Adrenalin im Blut, dass ich die Kälte nicht spürte. Aber schon nach kurzer Zeit verlor ich immer mehr den Halt. Ich merkte meine Hand kaum noch“, erzählt Warnecke. Wie lange sie schließlich im Wasser waren, kann er nicht sagen. Kurz bevor der Rettungsdienst kam, half noch ein weiterer Passant und hielt die Hand des mittlerweile entkräfteten Matthias Warnecke fest. Die Rettungskräfte zogen zuerst mit drei Mann den bewusstlosen Angler heraus und schließlich auch die beiden Helfer. Nach kurzer Beobachtungzeit im Rettungswagen konnten der IT-Fachmann und Vadder nach Hause gehen. „Die Sanitäter sagten mir noch, dass der Kreislauf dieser Kälte im Wasser nicht viel länger Stand gehalten hätte“, so Warnecke. Aus der Zeitung erfuhr er, dass der Angler wohl durch einen Schwächeanfall in den Kanal gestürzt war, aber überlebt hatte. Für Matthias Warnecke war die Sache damit erledigt – eigentlich.

Anruf aus der Staatskanzlei
Im Oktober 2010 meldete sich jedoch ein Vertreter der Stadt Münster bei ihm, stellte Fragen über den Verlauf der Rettungsaktion. „Ein Wasserschutzpolizist hatte Ralf Josef Vadder und mich für eine Auszeichnung vorgeschlagen“, erfuhr Warnecke. Im Mai 2011 bekam er einen Anruf aus der Staatskanzlei Düsseldorf. Wieder wurden ihm Fragen gestellt. „Vor zwei Monaten kam dann eine Einladung von Hannelore Kraft“, erzählt der 41-Jährige. Vergangene Woche überreichte schließlich Innenminister Ralf Jäger Ralf Josef Vadder und Matthias Warnecke die Rettungsmedaille des Landes NRW. In 60 Jahren wurde diese Medaille erst rund 1.000 Mal verliehen - die seltenste staatliche Ehrung.

„Trotz Ehrung kein Held“
„Auf der Veranstaltung wurden noch knapp 40 weitere Menschen geehrt. Das war sehr eindrucksvoll und feierlich. Auf jeden Fall ein Ansporn, zu handeln, wenn es nötig ist“, erzählt der IT-Fachmann. Trotz Medaille und Ehrung fühlt er sich aber nicht als Held: „Das war in dem Moment damals eine Bauchentscheidung aus der Situation heraus.“ Die Medaille liegt jetzt in der Schublade.