Ansichtskarte aus dem Jahr 1900. Die Geschichte vom Osterhasen wurde zu dieser Zeit zum Allgemeingut. Rechts: Ostereiersuche im Jahr 1939. Zu finden sind Karte und Foto im Bestand Bildarchiv der Volkskundlichen Kommission für Westfalen. Repro: LWL, Foto: LWL/Schmidthaus.
In Westfalen gab es den Osterfuchs
Neue Datenbank informiert seit April in Bild, Schrift und Ton online über Alltagskultur
Westfalen-Lippe (lwl). Ostern ohne Hasen, das ist heute kaum denkbar. „Wie eine volkskundliche Befragung belegt, konnte man sich aber um 1900 in Westfalen neben dem Hasen auch Fuchs oder Kranich als Eierbringer vorstellen“, berichtet Christiane Cantauw, Volkskundlerin beim LWL. "Warum sich der Hase gegen seine Konkurrenten durchgesetzt hat, ist nicht ganz nachzuvollziehen“, so Cantauw. Mit einer germanischen Gottheit Ostara, deren Begleittier ein Hase gewesen sein soll, hätte das Ganze jedenfalls nichts zu tun. „Diese Gottheit ist eine Erfindung. Es hat sie nie gegeben", betont die Geschäftsführerin der Volkskundlichen Kommission für Westfalen.
Archive erstmals verknüpft und komplett online
Über Oster- und hunderte weitere Alltags- und Festbräuche in Westfalen kann man sich in Bild, Schrift und Ton in der Datenbank der Volkskundlichen Kommission informieren, die seit April erstmals alle Archive online zugänglich gemacht und verknüpft hat. „Insgesamt stehen nun 140.000 Bilder, 10.000 Ton- und Volkslieddateien und 6.600 Manuskripte über das Leben in Westfalen aus den vergangenen 150 Jahren zur Verfügung“, sagt Frederik Grundmeier, Wissenschaftlicher Mitarbeiter in dem von der DFG geförderten Projekt.
Stichwort Ostern bringt 397 Bilder
So ergibt eine einfache Suche nach dem Stichwort „Ostern“ 397 Treffer im Bildarchiv, 137 Funde im Volkslied- und Tonarchiv und 146 Ergebnisse im Manuskriptarchiv. Die thematische Bandbreite der Materialien reicht von regionalen Beobachtungen zur Karwoche und den Osterfesttagen über Bilder von Osterräderläufen und Liedern wie „Das Grab ist leer, der Held erwacht“ bis hin zu Berichten über spezielles Ostergebäck.
Vorstellung von Haseneiern fiel auf fruchtbaren Boden
Doch wie hat sich der Hase nun seinen Platz in den Osternestern gesichert? „Sicher ist, dass die Vorstellung von Eierbringern vor allem im evangelisch-christlichen Kontext Sinn ergibt“, erklärt Christiane Cantauw. In Form dieser Kunstfigur konnte man all denjenigen Bräuchen etwas entgegensetzen, die man - wie zum Beispiel die Eierweihen - als nicht vereinbar mit der evangelischen Glaubenslehre empfand. Hinzu kommt, dass die Vorstellung von den Haseneiern bei vielen Zeitgenossen wohl auf fruchtbaren Boden fiel, erfreute sich der Hase doch einer großen Popularität", so Cantauw.
