Links: Reiner Fehling initiierte als Vorsitzender des Heimatvereins Hattingen-Ruhr eine Steinzeitausstellung. Rechts: Schädelreplikationen und steinzeitliches Werkzeug gehören zur Schau. Fotos: Privat

Nach Feierabend in die Steinzeit

LWLer Reiner Fehling stellt in seiner Freizeit Mammutzähne und Beile zur Schau

Hattingen (ufo). Eigentlich ist Reiner Fehling ein Praktiker, ein Handwerker, der repariert und auch gerne im Garten zupackt. Seit Kurzem kennt sich der Hausmeister aus dem LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen jedoch auch in der Geschichte der Steinzeit aus. Als Vorsitzender des Heimatvereins Hattingen-Ruhr ist er Mitinitiator der Sonderausstellung „Zwischen Fund und Dichtung: Die Steinzeit in Hattingen/Ruhr“, die am 20. April in Hattingen beginnt.

Heimatgeschichte Steinzeit

„Tatsächlich jagte der Steinzeitmensch im Ruhrtal Mammuts und bestattete seine Toten in Steinkastengräbern in dieser Gegend“, sagt der 52-Jährige, der sich seit Wochen nach Feierabend in Büchern, Internet und Filmen über die vor- und frühzeitliche Besiedlung informiert. Zusammen mit dem Vereinsmitglied Lars Friedrich, Kurator der Ausstellung, hat er sich dem bislang wenig beachteten Thema in der Region angenommen. Auch die Steinzeit sei schließlich Teil der Heimatgeschichte, so Fehling.

Mythos Opferstein

Die Ausstellungsmacher haben sich regionale Funde, darunter ein Mammutzahn, Schädelreplikationen von Neandertalern, Beile und Äxte aus umliegenden Museen ausgeliehen. Und sie gehen dem Mythos auf den Grund, dass es Menschenopfer auf dem Horkenstein, ein angeblicher Opferstein in der Region, gegeben haben soll. „Heute gehen die Archäologen davon aus, dass die als Blutrinne bezeichnete Einkerbung auf dem Stein nur das Scheitern eines Steinmetz darstelle, aus einen großen zwei kleine Steine zu machen“, berichtet Fehling. Den historischen Funden stellen die Hattinger Heimatfreunde ebenfalls die heutige Sichtweise auf die Steinzeit in Computerspielen, Lesebüchern oder Playmobilfiguren gegenüber.

Rat von LWL-Einrichtungen eingeholt

Fachlichen Rat zum Thema Steinzeit holten sie die Ausstellungsmacher unter anderem beim LWL-Denkmalamt und der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen. „Und natürlich habe ich mir für den Aufbau der Schau viel von den Ausstellungen im LWL-Industriemuseum Henrichshütte abgeschaut“, sagt der LWLer, der seit rund zwölf Jahren im LWL-Industriemuseum tätig ist. „Zum Beispiel habe ich gelernt, wie man eine Vitrine besucherfreundlich bestückt, dass jedes Exponat einen erklärenden Text erhalten sollte und dass der Einsatz verschiedener Medien Abwechslung schafft“, erklärt Fehling. So hat der Heimatverein für seine regionale Steinzeitschau auch eine Hörstation eingerichtet und einen Film zum Thema gedreht.

Finanzspritze von Sponsoren

Drei bis vier Stunden investiert Reiner Fehling in der Woche für sein Hobby. Dazu zählt auch die Anfrage bei örtlichen Sponsoren und Stiftungen, wie beispielsweise der LWL-Kulturstiftung, ohne deren Unterstützung diese Arbeit gar nicht möglich wäre. Viel Geld benötigt der Verein ebenso für sein Ausstellungshaus. Ein 400 Jahre altes Fachwerkgebäude, das sogenannte Bügeleisenhaus in Hattingen. „Ein Schmuckstück, das aber natürlich hohen Sanierungsbedarf hat“, so Fehling, der dabei oft selbst mit anpackt.

Im Moment setzt er seine freie Zeit für die letzten Feinarbeiten in der Steinzeitschau ein und ist stolz über das Erreichte. „Eine kleine, aber feine Ausstellung“, freut sich der Hattinger, der jetzt auf viele Gäste hofft. Die Ausstellungsmacher haben ein eigenes museumpädagogisches Programm ausgearbeitet und führen auch gerne persönlich durch die Räume. „LWL-Beschäftigte können sich gerne per E-Mail melden, wenn Sie eine Führung von mir wünschen“, betont Fehling.


„Zwischen Fund und Dichtung: Die Steinzeit in Hattingen/Ruhr“

20. April bis Dezember 2012
Haldenplatz 1, Hattingen
Geöffnet jeweils freitags und samstags von 16 bis 18 Uhr, sonntags von 14 bis 18 Uhr
Eintritt: 2 Euro, ermäßigt 1 Euro
Buchungsanfragen für Schulklassen- und Gruppenführungen sind unter
gruppen@steinzeitausstellung2012.de oder telefonisch unter 152 29717197 möglich
info@steinzeitausstellung2012.de

www.steinzeitausstellung2012.de
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