Links: LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch gratulierte der Jubilarin Lucia Erfmann vor Ort und zitierte auch aus ihrem Lehrvertrag. So verpflichtete sich der Arbeitgeber vor 50 Jahren, "in dem Lehrling die für einen Büroangestellten notwendigen charakterlichen Kräfte zu wecken und zu pflegen, insbesondere, ihn zur Treue, Ehrbarkeit und Arbeitsamkeit anzuhalten." Rechts: Das Bewerbungsfoto von 1962, Lucia Erfmann ist 13 Jahre alt. Fotos: LWL und Privat

LWLerin von 13 bis 63

Lucia Erfmann arbeitet seit 50 Jahren als Sekretärin in der LWL-Schule in Büren – Sie ist derzeit die dienstälteste LWL-Beschäftigte

Büren (ufo). Als Lucia Erfmann sich beim LWL in der damaligen sogenannten Taubstummenanstalt in Büren bewarb, war sie 13 Jahre alt. „Nach acht Jahren Schulzeit in die Lehre zu gehen, war damals nichts Besonderes“, sagt die heute 63-Jährige. Etwas skeptisch sei sie gewesen, aber ihr Vater ließ nicht locker. Die Aufnahmeprüfung für die Verwaltungslehre mit Diktat, Aufsatz und Mathematikaufgaben bestand sie ohne Probleme und am 1. April 1962 startet sie im Schulsekretariat und damit in eine fünfzig Jahre dauernde Berufslaufbahn beim LWL. Heute ist Lucia Erfmann die dienstälteste LWLerin. Sie arbeitet immer noch in der Bürener Schule, die heute Moritz-von-Büren-Schule, LWL-Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation, heißt. LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch gratulierte der Jubilarin vor Ort persönlich: „Lucia Erfmann verdient großen Respekt und Anerkennung für diese Lebensleistung“, so Kirsch.

45-Stunden-Woche und danach aufs Feld

Mit 16 Jahren legte Lucia Erfmann 1965 die Abschlussprüfung ab. Von da an arbeitete sie 45 Stunden pro Woche, wie damals üblich. „Ich war von 7.30 bis 17.30 Uhr in der Schule und auch am Samstag“, erzählt Lucia Erfmann, die zusätzlich nach dem Dienst Zuhause in der Nebenerwerbslandwirtschaft ihrer Eltern half. Haushaltswesen, Rechnungswesen, das Auszahlen von Fahrgeld an die Schülerinnen und Schüler, die teilweise von sehr weit aus der Region anreisten und bei Pflegeeltern untergebracht waren, gehörte zu Ihrem Aufgabenbereich in der Schule.

Trotz Kind weitergearbeitet


Lucia Erfmann heiratete, bekam 1970 eine Tochter. Normalerweise würde damit in dieser Zeit die Karriere einer berufstätigen Frau, die zumal in einem Dorf lebt, enden. Lucia Erfmann entschied sich anders. Ihre Mutter übernahm tagsüber die Kinderbetreuung, sie ging weiter in Vollzeit arbeiten. „Viele Dorfbewohner in meinem Wohnort Bad Wünnenberg haben sich darüber sehr gewundert“, erinnert sie sich.

Versetzung abgewendet

In den 1970er Jahren wurden in Westfalen-Lippe neue Schulen für schwerhörige Kinder gegründet. Immer weniger Schüler kamen nach Büren. Zusätzlich fielen durch den Einsatz der LWL-Schulverwaltungen ab 1984 Aufgaben im Sekretariat weg. „Ich sollte nach Paderborn versetzt werden“, erinnert sich die Bad Wünnenbergerin. Lucia Erfmann wollte nicht wechseln, zu verwachsen war sie mittlerweile mit der Bürener Schule. Mit Verhandlungsgeschick ihres Vorgesetzten und reduzierter Stundenzahl blieb sie und erlebte wie in 1990er Jahren wieder mehr Kinder in die mittlerweile nach Moritz von Büren benannte LWL-Förderschule kamen - so viele, dass ein neues Gebäude errichtet wurde. Die alte Schule war über zudem über 150 Jahre alt und entsprach nicht mehr den aktuellen Anforderungen.
2006 zog Lucia Erfmann in ihr neues Büro. „Die Einweihung war ein sehr schönes Erlebnis“, sagt sie und erinnert sich gern an das Wiedersehen mit zu diesem Anlass eingeladenen ehemaligen Schülerinnen und Schülern. „Ich habe sie nahezu alle wiedererkannt und sie mich“, sagt die Schulsekretärin, die während ihrer Laufbahn in Büren für fünf Schulleiter arbeitete.

Vorm Dienstantritt zum Schwimmbad

Heute wird sie oft von ihren Freundinnen angesprochen, warum sie noch immer arbeiten würde. „Ich habe einfach Freude an meiner Arbeit, an den Kontakten mit den Menschen hier in der Schule“, antwortet dann die temperamentvolle 63-Jährige. Auch wenn es im Arbeitsalltag nicht mehr so familiär zugeht, die Arbeit kompakter ist als zu Beginn ihrer Laufbahn: Lucia Erfmann freut sich jeden Tag auf ihre Schule, die sie pünktlich um 7.15 Uhr morgens betritt. Noch vor Dienstbeginn zieht sie zwei Mal wöchentlich um 5.45 Uhr im Schwimmbad ihre Bahnen. „Dann bin ich topfit im Büro“, sagt sie. Körperlich könnte die begeisterte Skifahrerin die Arbeit mit Leichtigkeit noch ein paar Jahre bewältigen. Doch die Altersteilzeit und damit das Ende ihrer Arbeitszeit ist beschlossen. Auch ihr Mann ist bereits in Rente gegangen.

Im Juni der letzte Arbeitstag

Am 29. Juni wird Lucia Erfmann zum letzten Mal als Schulsekretärin die Moritz-von-Büren Schule betreten. Wie dieser Tag aussehen wird - da lässt sie sich überraschen. Der Urlaub danach ist jedenfalls schon beschlossen und das ist sicher: Er wird sportlich.