In der Schülerfirma "Ringeltauben" werden gesammelte Spenden bei Ebay versteigert. Rechts: Auch die Fotos für die Onlineversteigerung machen die hörbehinderten Schülerinnen und Schüler selbst. Fotos: Privat

„Ringeltauben“ und „Nudel & Co“

Jugendliche lernen in LWL-Schülerfirmen wichtige Schlüsselkompetenzen für das Berufsleben

Bochum (sum). Zuerst die schriftliche Bewerbung, dann das Vorstellungsgespräch und schließlich die Probezeit: Wer bei den „Ringeltauben“ oder bei „Nudel & Co.“ mitmachen möchte, muss zuerst diese Hürden nehmen – wie bei jedem Unternehmen in der freien Wirtschaft auch. Dieser Einstieg gehört zum Konzept der beiden Schülerfirmen der Bochumer LWL-Förderschule für Hören und Kommunikation, Schule am Leitenhaus. Vor vier Jahren entstanden die zwei kleinen Unternehmen, die zum einen gesammelte Spenden wie Bücher, DVD´s und Kleidung über eBay versteigern oder – wie bei „Nudel & Co“ – einmal pro Woche ein Mittagessen für die Schülerinnen und Schüler anderer Klassen und Lehrer des LWL-Schulkomplexes in Bochum vorbereiten.

„Die Schülerinnen und Schüler kümmern sich um den gesamten Ablauf: Die ‚Ringeltauben‘ sammeln und katalogisieren die Spenden, machen die Fotos, schreiben Artikel , stellen das Produkt ins Internet und organisieren den Versand“, erklärt die betreuende Lehrerin Melanie Kreienbaum. Auch die Buchführung und die Abrechnung gehört zu den Aufgaben der Jungunternehmer. Eine besonders große Herausforderung ist der Kundenkontakt, der speziell bei „Nudel & Co“ eine große Rolle spielt. „Sowohl beim Einkauf als auch bei der Essensausgabe ist die Kommunikation für unsere teils schwerhörigen, teils gehörlosen Schüler sehr schwierig. Andersherum stärkt sie diese Erfahrung natürlich ungeheuer“, so Fachlehrerin Renate Heinen.
 

Pünktlichkeit und arbeiten unter Zeitdruck

Beide Lehrerinnen sind vom Erfolg der Schülerfirmen überzeugt. „Die Schülerinnen und Schüler erlernen wichtige Schlüsselkompetenzen für den Beruf, wie Pünktlichkeit und effizientes Arbeiten unter Zeitsdruck, aber auch soziale Kompetenzen wie Kundenfreundlichkeit“, sagt Kreienbaum. Dabei werde Verantwortung und Flexibilität verlangt, denn jeder übernehme jede Aufgabe.

Identifikation führt zum Lernerfolg

Der Erfolg des Projekts spiegelt sich auch in der Begeisterung der Schüler wieder. „Im normalen Unterricht sind die Schüler manchmal abgelenkt und nicht bei der Sache“, sagt Heinen. „Die Schülerfirmen bilden dagegen einen Bereich, in dem sie ganz anders lernen können, und das geben die Schüler auch zurück.“ Viele seien höchst motiviert und entwickelten auch noch von zu Hause aus, neue Ideen für die Firma, so die Erfahrung von Kreienbaum, „man merkt wirklich, dass sie sich mit den Unternehmen identifizieren“.

Erlöse werden investiert

Mittlerweile ist auch ein erster wirtschaftlicher Erfolg absehbar. Nachdem das geliehene Startkapital an den Förderverein zurückbezahlt wurde, können die Schülerfirmen etwa in neues Geschirr oder Werbemaßnahmen investieren. Denn ebenso wie andere Firmen, haben auch die Schülerfirmen mit dem Erhalt ihrer Kunden zu kämpfen. „Mit dem Abgang des starken zehnten Jahrgangs sind uns viele Kunden, die bei ‚Nudel & Co.‘ Mittag gegessen haben, weggefallen“, erklärt Heinen. Die Schüler entwickeln im Moment Flyer und Plakate, um neue Gäste zu gewinnen.
 

„Wie ein Unternehmen in der freien Marktwirtschaft entwickeln wir uns dank der vielen Ideen ständig weiter“, freut sich Melanie Kreienbaum. Dem kommenden fünfjährigen Firmenjubiläum steht nichts im Wege.