Die Bronzeskulptur „Die Schreitende“ wurde nach einem versuchten Diebstahl restauriert und wieder im Garten des LWL-Landeshauses aufgebaut (Foto Mitte). Fotos: LWL/Forbrig

Nach Kunstvandalismus: „Die Schreitende“ ist wieder da

LWL-Skulptur restauriert: Hohe Rohstoffpreise für Metall fördern Diebstahl und Zerstörung

Westfalen-Lippe (ufo). Jetzt setzt sie wieder einen Fuß vor den anderen: „Die Schreitende, ein ausgespanntes Tuch über den Kopf haltend“, eine Bronzeskulptur aus dem Jahr 1960, steht seit Ende März wieder an ihrem angestammten Platz im Garten des LWL-Landeshauses in Münster. Lange Zeit musste das Kunstwerk von Herbert Volwahsen (1906-1988) in einer Restaurierungswerkstatt verbringen. „Die Schreitende“ war Opfer eines versuchten Materialdiebstahls geworden.
 

Es war im Juni 2008 als LWL-Beschäftigte dem LWL-Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) meldeten, dass die Plastik schief steht. „Nach einer kurzen Untersuchung war klar, dass jemand versucht hat, die Bronzefigur mit Gewalt aus ihrer Verankerung zu lösen“, sagt Martin Fischer vom BLB. „Die unbekannten Täter wollten die überlebensgroße Figur wahrscheinlich mitnehmen, in kleine Stücke hacken und diese zum Metallwert verkaufen“, sagt Stephan Brunnert vom LWL-Museumsamt. Der Experte für Exponatschutz schätzt den Metallgegenwert auf rund 500 Euro. Die Täter konnten ihr Vorhaben nicht beenden. „Sie wurden wahrscheinlich gestört“, so Brunnert „Die Schreitende“ behielt nur einige Blessuren, unter anderem Beschädigungen am Sockel, zurück.
 

Die Zerstörung von Kunst im öffentlichen Raum nehme immer mehr zu, sagt der LWL-Kunstexperte. So wurde zum Beispiel vor einiger Zeit in Wolbeck im Drostenhof ein handwerklich wertvolles Eisentor gestohlen, und in den Niederlanden sei am helllichten Tage eine fünf Tonnen schwere Skulptur abtransportiert worden. „Den Dieben geht es oft nur um das Altmetall, die hohen Rohstoffpreise lassen das illegale Geschäft mit gestohlenem Metall schon seit einigen Jahren blühen“, so Stephan Brunnert. Auch vor Spielplätzen würden die Täter nicht Halt machen und den dort vorhandenen Stahl in Form von Rutschen und Klettergerüsten entwenden. Die Demontage der Bronzeskulptur im Garten des Landeshauses sei im Bereich der LWL-Hauptverwaltung allerdings seiner Kenntnis nach bislang der einzige Diebstahlversuch dieser Art.
 

Um „Die Schreitende“ künftig besser vor erneuten Metallraubzügen zu schützen, stand kurzzeitig ein Standort zur Debatte, der mehr als bisher unter Beobachtung der Öffentlichkeit steht. „Das LWL-Landeshaus wurde jedoch 2010 unter Denkmalschutz gestellt und zu diesem Ensemble gehört auch die Skulptur“, erklärt Martin Fischer. „Die Schreitende“ nahm wieder ihren alten Platz ein. Als Diebstahlsicherung wurde eine Edelstahlunterkonstruktion eingearbeitet.

 

Hintergrund

Die Bronze-Skulptur "Schreitende, ein ausgespanntes Tuch über den Kopf haltend" des Künstlers Herbert Volwahsen (1906-1988) wurde im Auftrag von Landesrat Josef Ostermann im August 1960 für die ehemalige Hochbauabteilung des LWL im Rahmen 'Kunst am Bau' für den Landeshausinnenhof erstellt. Der Erstellung war 1958 ein Wettbewerb mit drei Teilnehmern  vorausgegangen. Hinsichtlich der Entwürfe wurde den Künstlern von vornherein mitgeteilt, “dass Werke, deren Gegenstand nicht erkennbar ist, nicht in Betracht kommen“. Für die Realisierung waren seinerzeit 15.000 DM vorgesehen.

Herbert Volwahsen war einer der anerkannten figurativen Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Seine Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Ernst Barlach und Henry Moore. Ein charakteristisches Kennzeichen seiner Skulpturen ist die innere und äußere Bewegung und Bewegtheit der Figuren.