Nach der Klasse 10 wusste ich noch nicht was ich beruflich für eine Richtung einschlagen sollte, also habe ich noch 3 Jahre Abitur drangehängt, danach werde ich ja wohl wissen, was ich beruflich machen will, so dachte ich zumindest.
Was soll ich sagen... die drei Jahre vergingen wie im Flug und ich war eigentlich immer noch nicht schlauer geworden.
Ich kam auf die Idee einen Termin zur Berufsberatung zu vereinbaren. Leider konnte man mir dort auch nicht wirklich weiter helfen, da ich zwar genau wusste, was für Berufe ich NICHT machen wollte, aber keinen genauen Beruf inklusive genaue Berufsbezeichnung vor Augen hatte.
Eins wusste ich: ich wollte nichts handwerkliches, da ich zwei linke Hände habe und ich würde gerne einen Beruf machen, der mit Geschichte etwas zutun hat, da mir das Schulfach Geschichte vor allem während des Abiturs im Geschichtsleistungskurs sehr viel Spaß gemacht hat. Das brachte den Berufsberater und mich nicht wirklich weiter, sodass ich nun Berufsbezeichnungen heraussuchen sollte, von Berufen, die ich gerne ausüben würde, damit das Arbeitsamt mir Adressen von Firmen für Bewerbungen schicken könnte.
Brauchbare Adressen haben sie mir zwar nicht geschickt, aber dafür bin ich auf einen Beruf aufmerksam geworden.
Denn einer dieser Berufe, die ich auswählte, war Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, kurz FaMI, aber das wusste ich damals natürlich noch nicht, jedoch schien er gut zu dem zu passen, was ich gerne tun wollte.
Nachdem mir der Herr vom Arbeitsamt von diesem Beruf erstmal abriet, weil man dort keine Stelle finde und es sowieso langweilig sei, um mir dann kurzerhand zu einem Beruf zu raten, der mal so überhaupt nicht meinen Interessen und Stärken entsprach, dachte ich mir, ich schaue mich doch mal lieber selbstständig nach Lehrstellen um.
Ich habe mich daraufhin bei rund 30 Stellen beworben, unter anderem auch beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste in der Fachrichtung Archiv.
Natürlich wusste ich anfangs überhaupt nichts mit dem Landschaftsverband anzufangen. Werden dort etwa Akten und Bücher über Pflanzen und Blume archiviert?!
Das waren meine anfänglichen Überlegungen ... heute lache ich darüber!
Nachdem ich einen Test erfolgreich absolviert hatte, wurde ich zum Vorstellungsgespräch eingeladen.
Nachdem ich mich dann über den LWL und insbesondere über das Archivamt informiert hatte, wusste ich nun auch, dass dort keine Akten und Bücher über Pflanzen und Blumen archiviert werden.
Da es mein erstes Vorstellungsgespräch war, war ich entsprechend nervös, vor allen Dingen nachdem ich sah, dass mir dort gleich 5 Personen gegenüber saßen.
Jedoch war meine Sorge unbegründet, da alle Beteiligten locker und auch mit einem Scherzchen auf den Lippen an der Sache herangingen.
Eines der anderen "Opfer" das mit mir dort vor diesen fünf Personen saß, ist heute mein Mitauszubildender.
Heute, 1 Jahr später, sitzen wir immer noch gemeinsam in einem Büro, eingerichtet mit Bonbonglas, Blümchen und einer gemeinsamen Kaffeekasse, die nach der Ausbildung gemeinsam auf den Kopf gehauen werden soll.
Man steht sich oft mit Rat und Tat zur Seite, denn zu zweit lernt es sich leichter. Heute weiß ich genau, dass ich mich richtig entschieden habe, diesen weniger bekannten Beruf zu ergreifen und bin auch stets bemüht, anderen Leuten zu zeigen, dass FaMI keineswegs ein langweiliger Beruf ist, wie alle immer denken.
Denn das LWL-Archivamt steht nicht für alte langweilige Akten, die nur im Keller verstauben, sondern vor allen Dingen für ein Team von freundlichen und kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die alle gerne ihrem Beruf ausüben, mit dem Bewusstsein für die Wichtigkeit archivwürdiger Akten für die Nachwelt zu erhalten und den Menschen, die zu uns in das LWL-Archivamt kommen, weiter helfen zu können bei ihren Anfragen.
"FAMI? Was ist eigentlich FAMI?"
Diese Frage stellte sich mir zunächst, als ich im Internet auf diese Berufsbezeichnung stieß. Nach neun Monaten Zivildienst begann endlich der Ernst des Lebens. Über die Webseite des Arbeitsamts wurde ich auf diesen Beruf aufmerksam, konnte mir jedoch überhaupt nichts darunter vorstellen. Da mich jedoch die Ausbildungsinhalte interessierten, bewarb ich mich schließlich für die verschiedenen Fachrichtungen dieses Berufsfeldes, unter anderem in der Bibliothek und natürlich auch im Archiv. Der LWL gab als Erster eine positive Rückmeldung und so kam ich in den Genuss, den mehrstündigen Eignungstest zu durchlaufen.
Nachdem ich fast schon nicht mehr damit gerechnet hatte, wurde ich telefonisch zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Das Gespräch verlief erfreulicherweise positiv und so begann ich am 01.08.2008 die Ausbildung im LWL-Archivamt für Westfalen in Münster.
In den ersten Wochen bzw. Monaten wurde ich Schritt für Schritt mit den Aufgabenbereichen des Archivs und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vertraut gemacht. Unter anderem lernte ich das Archiv des LWL und das Depot der Vereinigten Westfälischen Adelsarchive kennen, welche beide im Archivamt beheimatet sind. Weiterhin bekam ich einen Einblick in die Arbeitsweise der integrierten Restaurierungswerkstatt und des Projekts zur Massenentsäuerung von kommunalen Archivgut.
Ein wichtiger Aufgabenbereich des FAMIs ist die Aufsicht und Beratung der Archiv-Benutzer, die das Archivamt beispielweise zur Familienforschung oder zu wissenschaftlichen Zwecken aufsuchen. Als ein weiterer Bestandteil muss außerdem die Erschließung des Archivguts genannt werden. Um den Benutzern Akten und Urkunden überhaupt verfügbar zu machen, ist es auch Aufgabe des Fachangestellten, diese inhaltlich zu erfassen und in elektronischen Datenbanken zu verzeichnen. Dienstfahrten in Behörden und Institutionen sind ebenfalls keine Seltenheit. Dort werden Akten, die sich als archivwürdig erweisen, vom FAMI übernommen. Außerdem beschäftigt man sich als FAMI mit bestandserhaltenden Maßnahmen. Archivalien werden von groben Verunreinigungen und eisenhaltigen Materialien entfernt, die grundsätzlich die Lebensdauer des Mediums verringern können. Das sind nur einige von zahlreichen Tätigkeitsfeldern im Bereich der Ausbildung. Die Ausbildung bietet zudem die Möglichkeit, sich fachspezifisch weiterzubilden. Seminare zu berufsrelevanten Themen werden regelmäßig angeboten. Und einmal im Jahr darf man dann auch am Westfälischen Archivtag teilnehmen, der an wechselnden Standorten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Vorträgen rund um die Tätigkeit im Archiv sowie zum Erfahrungsaustausch einlädt.
Neben den fachlichen Inhalten ist es mir persönlich ein großes Anliegen, auch das wirklich bemerkenswert gute Betriebsklima im LWL-Archivamt hervorzuheben. Fragen und Probleme finden immer ein offenes Ohr und es herrscht ein freundlicher Ton unter den Kollegen.
Abschließend lässt sich sagen, dass die Ausbildung des FAMIs/Fachrichtung Archiv für all diejenigen geeignet ist, die gerne mit Menschen arbeiten, teamfähig sind und keine Stauballergie haben.
Nein, die letzte Bemerkung bedient nur die falsche Vorstellung von der Arbeit in einem Archiv. Man braucht keine Angst davor zu haben, den ganzen Tag im Dunkeln zu verbringen. Auf eines sollte man sich jedoch einstellen. Die Frage: "FAMI? Was ist das denn?"
Darauf wisst Ihr nun eine passende Antwort...
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LWL - Was wir machen, wer wir sind
Das Faltblatt "Der LWL - Was wir machen, wer wir sind" gibt einen Überblick über die Leistungen und Aufgaben des LWL.