Ausbildung als Mediengestalterin/Mediengestalter - Bild und Ton

Michael Cherdchupan Michael Cherdchupan

Der Begriff „Berufsleben“ beherbergt für viele junge Menschen die Angst davor, nur ein winziges Zahnrädchen in einer gigantischen, monströsen Maschine zu sein, dass sich unweigerlich und ohne Auslebung eigener Individualität mitdrehen muss. Einem System, in dem jeder kurzerhand entfernt wird, wenn sie oder er sich nicht Zahn für Zahn anpasst und somit Konflikte im Uhrwerk verursacht. Der Verlust eigener Freiheiten, die starke Einschränkung eigener Kreativität und unzählige monotone Abläufe sind nicht unberechtigte Ängste eines jeden jungen Erwachsenen, der eher für kreative Arbeiten geschaffen ist und nun vor der Weiche steht, die in verschiedene Richtungen des zukünftigen Berufsweges führt. Auch ich stand vor dieser Abzweigung und obgleich mein Ziel eindeutig damit gesetzt war, dass ich einen Medienberuf und eine damit zusammenhängende Ausbildung anstreben wollte, die mich in meiner Kreativität möglichst geringfügig einschränkt, unterlag ich ebenfalls den oben beschriebenen Ängsten und dem zusätzlichem Gefühl von Unsicherheit. Gerade in dem Areal der Medien wird hart um Ausbildungsplätze gekämpft, und wer es geschafft hat an einen heranzukommen, muss sich in nicht gerade wenigen Fällen mit unglücklichen Umständen zufrieden geben. Gerade kleinere Firmen oder Agenturen nutzen Auszubildende gerne als „billige Arbeitskraft“, woraus meist unbezahlte Überstunden, geringer Lohn, zu hohe Arbeitsanforderungen und letztendlich zu wenig Zeit für Prüfungsvorbereitungen resultieren. Meine Beobachtungen bei diversen Arbeitsproben und Praktikas, die ich nach dem Abitur gemacht habe, bestätigten leider diese traurige Wahrheit. Während meiner umfangreichen Recherchen auf dem Ausbildungsmarkt bin ich auf die sympathische Stellenausschreibung des LWL gestoßen. Dort wurde eine Ausbildung zum „Mediengestalter – Bild und Ton“ angeboten. Trotz der Befürchtung, dass der Landschaftsverband aufgrund seines Umfangs und damit zusammenhängender Komplexität eben eine dieser oben beschriebenen ungeheuren Maschinen darstellen könnte, habe ich mich mit einer gestalterisch aufgemachten Mappe und zwei Bewerbungsfilmen beworben. Das folgende Procedere war obligatorisch und überraschte mich daher in keinster Weise: Offenbar hatten meine eingereichten Materialien Eindruck hinterlassen und ich wurde zunächst zu einem allgemeinen schriftlichen Einstellungstest eingeladen, worauf einige Wochen später ein spezieller Test für Mediengestalter folgte. Nachdem ich diese beiden Hürden meistern konnte, folgte ein überraschend angenehmes Vorstellungsgespräch mit einer anschließenden Führung durch das technisch auffällig gut ausgestattete Produktionsstudio im Landesmedienzentrum. Nicht unbeeindruckt, aber dennoch pessimistisch in Bezug auf letztendliche Chancen auf den Ausbildungsplatz verließ ich an diesem Tag das WLM. Umso freudiger war die in ein paar Wochen folgende Nachricht über die Zusage. Viele große Organisationen oder Firmen gehen gerade in der Anfangsphase nicht gerade sorgfältig mit ihren Nachwuchskräften um und werfen sie quasi vom ersten Tag an ins kalte Wasser. Löblicherweise hat sich die Abteilung beim LWL, die sich speziell um Auszubildende kümmert, sehr viel Mühe dabei gegeben, uns Neulingen den Einstieg so angenehm wie möglich zu machen. Einführungsveranstaltungen haben uns mit unserem neuem Arbeitgeber vertraut gemacht und diverse gemeinsame Aktivitäten gaben Gelegenheit, sich mit den neuen Kollegen und Kolleginnen des neuen Azubi-Lehrganges vertraut zu machen. Haben mich die angenehmen Einführungsveranstaltungen schon positiv überrascht, so war ich letztendlich sehr erleichtert über die Qualität meines Ausbildungsplatzes. Ich habe nicht lange gebraucht um festzustellen, dass mir ein sehr fähiger Ausbilder zur Seite stand, der mich auch bis heute noch sinnvoll unterstützt und selbst bei hanebüchenen Fragen eisern Rede und Antwort steht. Dass das fünfzehnköpfige Produktionsteam, mit dem ich zusammenarbeite, arbeitstechnisch als auch menschlich miteinander harmoniert, ist in der Berufswelt sicherlich keine Selbstverständlichkeit. Ein weiterer kritischer Punkt bei heutigen Ausbildungen ist oft die Berufschule, aber selbst dort wissen sowohl Lehrkräfte als auch vermittelte Lehrinhalte über weite Strecken zu überzeugen. Sicherlich hervorzuheben sind die mannigfaltigen Tätigkeiten, die das Produktionsteam und somit letztendlich auch die Auszubildenden ausführen. Da primär edukative Filme in kompletter Eigenproduktion beim WLM entstehen, deckt die Palette der Aufgaben nahezu alle Produktionsschritte ab, die nötig sind, um einen dokumentarischen Film auf die Beine zu stellen. Sie beginnt mit der Drehbuchphase, geht über den eigentlichen Dreh des Filmes bis hin zur Postproduktion. Als Nachwuchskraft wird man so mit allen wichtigen Stationen der Produktion konfrontiert. Ob Konzeption, Tonbearbeitung, Schnitt, Abtastung, Screen-Design, Lichtsetzung oder ähnliches: Die Chance in dieser Ausbildung mehr mitzunehmen als an anderen Lehrstellen wahrscheinlich möglich ist, ist tatsächlich relativ hoch. Da direkt eine Etage höher das Fotostudio angesiedelt ist, bestehen zusätzlich durchaus Gelegenheiten nebenbei aus der Fotografie Informationen mit aufzunehmen. Angesichts der eher pessimistischen Einleitung vermag es zu überraschen, dass sich mein Erfahrungsbericht letzten Endes doch sehr positiv liest. Ich fühle mich hier nicht wie das befürchtete kleine Rad in der riesigen Maschine, sondern als wichtiger, nahezu komplett eigenständig agierender Teil eines starken Teams. Eigene Ideen sind willkommen und werden nicht als Sand im Getriebe empfunden. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich unzufrieden mit meiner bisherigen Ausbildung wäre. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall und ich kann somit jedem ambitionierten angehenden Mediengestalter für den Bereich Bild und Ton raten zumindest den Versuch zu wagen, sich auf diese Stelle beim LWL zu bewerben. Und das kann ich nur unterstreichen.